Die Bewohner der Inselgruppe Neukaledonien im Pazifik haben mehrheitlich dafür gestimmt, weiter zu Frankreich zu gehören. Das letzte Wort über die Unabhängigkeit ist aber noch nicht gesprochen.

Neukaledonien liegt östlich von Australien im Pazifik, rund 18.000 Kilometer entfernt von Paris. Als ehemalige Kolonie gehört die Inselgruppe seit 1853 zu Frankreich. - Und das wird auch erst mal so bleiben. Am Sonntag haben die Bewohner von Neukaledonien abgestimmt, ob sie unabhängig werden wollen. 56,4 Prozent waren dagegen. 

Viel Nickel auf Neukaledonien

Für Frankreich war das ein Grund zu feiern, erzählt ARD-Korrespondentin Barbara Kostolnik. Präsident Emmanuel Macron sagte, er sei stolz. Frankreich unterstützt Neukaledonien jährlich mit 1,3 Milliarden Euro.

Die Inselgruppe ist für Frankreich aus verschiedenen Gründen relevant: Das Land betreibt dort Militärstützpunkte und geheime U-Boot-Häfen. Außerdem gibt es dort viel Fisch. Und: Ein Großteil des weltweiten Nickel-Vorkommens liegt auf Neukaledonien. Der Rohstoff wird vor allem für die Herstellung von Elektro-Geräten gebraucht.   

"Die Melanesier fürchten, dass ihre Sprache und ihre Kultur den Bach runtergehen."
Barbara Kostolnik, ARD-Korrespondentin für Frankreich

Geografisch gehört Neukaledonien zu Melanesien, deshalb werden die Ureinwohner auch Melanesier genannt. Sie selbst bezeichnen sich auch als "Kanaken", das heißt auf Deutsch übersetzt "Mensch". 

 Melanesische Ureinwohner für die Unabhängigkeit

Viele der melanesischen Ureinwohner haben für die Unabhängigkeit gestimmt. Sie fühlen sich diskriminiert und fürchten, dass ihre Sprache und Kultur immer weiter ausstirbt. Denn seit der Kolonialisierung durch Frankreich ist die Zahl der Melanesier immer weiter zurückgegangen. 

Für die Befürworter der Unabhängigkeit ist das Ergebnis der Abstimmung trotzdem ein bisschen Grund zur Hoffnung. Denn auch wenn sie nicht so ausgefallen ist, wie von ihnen gewünscht: Umfragen im Vorfeld hatten gezeigt, dass eigentlich mehr Melanesier für den Verbleib bei Frankreich stimmen würden. Laut einem Abkommen aus den Neunziger Jahren sind noch zwei weitere Volksabstimmungen über die Unabhängigkeit Neukaledoniens möglich, dann könnten vielleicht mehr Unabhängigkeits-Befürworter mobilisiert werden. Allerdings: Beobachter halten eine tatsächliche Ablösung besonders wegen der finanziellen Abhängigkeit von Frankreich für unwahrscheinlich.

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