Flach, gebirgig, oder einfach nur tief – mehr als 70 Prozent der Erde sind von Ozeanen bedeckt, und wie der Grund der Weltmeere geformt ist, ist nach wie vor weitgehend unbekannt. Das soll sich ändern: Bis 2030 soll es eine vollständige Karte unserer Meeresböden geben.

Über die Beschaffenheit des Mondes wissen wir viel, über die unserer Tiefsee jedoch nicht. Deshalb wollen Forscher und Forscherinnen weltweit den Meeresboden unseres Planeten bis 2030 vollständig kartographieren. Ein aufwendiges Projekt, denn wie der Grund der Weltmeere geformt ist, ist nach wie vor weitgehend unbekannt.

Die ersten Erfolge konnten aber schon verzeichnet werden. In den vergangenen drei Jahren wurden große Teile des Ozeangrundes neu vermessen. Damit ist die Forschung insgesamt bei fast einem Fünftel der Gesamtfläche. Und der Rest soll möglichst schnell folgen.

Meerestiefe wird per Schallwellen bestimmt

Einen Teil dazu hat der Geologe Colin Devey beigetragen. Er hat selbst ein Stück des Atlantikbodens neu vermessen. Dafür war er zusammen mit einem Team auf einem Schiff im tropischen Atlantik unterwegs. Während der Fahrt haben sie die Wassertiefe bestimmen können, sagt Colin Devey.

Die Technik dafür sei zwar hochentwickelt, aber an sich relativ einfach: Das Schiff schickt Schallwellen ab, die vom Meeresboden reflektiert werden. Die Forscher messen dann die Zeit, wie lange der Schall braucht, um hin und wieder zurück zu gelangen. Daraus können sie schließen, wie tief das Wasser an der Stelle ist.

"Das Schiff schickt Schallwellen raus. Die reflektieren vom Meeresboden. Und wenn man dann misst, wie lange der Schall braucht, dann können wir herausfinden, wie tief das Wasser ist."
Prof. Colin Devey vom Helmholtz-Zentrum für Ozean-Forschung

Eine Entdeckungsreise

Je tiefer das Meer ist, desto tiefer muss auch der Ton sein, den sie ausschicken, erklärt der Forscher. Damit die Tierwelt durch die Schallwellen nicht gestört wird, setzen sie Geräte ein, die umweltsensibel sind, sagt Colin Devey. Wenn zum Beispiel Wale in der Nähe sind, schalten sich die Apparaturen automatisch ab.

Für den Geologen ist die Arbeit wie eine Entdeckungsreise, sagt er. Der Ozeanboden ist abwechslungsreicher geformt als oft gedacht. Fast täglich stoßen sie auf neue Vulkane. Alles was er im Studium in der Theorie gelernt hat, sieht er jetzt in der Realität.

"Der Meeresboden ist so unbekannt. Da finden wir täglch neue Vulkane. Wir finden immer neue Formen, die noch niemand davor gesehen hat. Das ist richtige Entdeckungsarbeit."
Prof. Colin Devey vom Helmholtz-Zentrum für Ozean-Forschung