2015 gab es 3459 Verkehrstote. Das sind 82 mehr als 2014. Und das, obwohl die Sicherheitsvorkehrungen im Auto immer besser werden. Aufprallschutz, Airbag und Anschnallpflicht sei dank. DRadio-Wissen-Reporter Stephan Beuting fragt sich, woran das liegen könnte. Ist die Stimmung im Straßenverkehr zu aggressiv?

Dazu hat Stephan eine nicht-repräsentative Umfrage gemacht - und zwar im Straßenverkehr. Das gefühlte Ergebnis: Auf den Straßen liegen die Emotionen blank. Da wird geschimpft, gemotzt und gehupt, was das Zeug hält. Das bestätigt auch eine Studie der Unfallforscher der Versicherungsunternehmen, der zufolge jeder dritte Autofahrer aggressiv unterwegs ist. Das könnte zum einen daran liegen, dass Autofahrer anonymer unterwegs sind als Radler und Fußgänger. Was ein Fahrer hinterm Steuer flucht, bekommt im Zweifel nur er selbst mit. Der Verkehrspsychologe Jens Schade sieht genau darin das größte Problem: Der Autoverkehr trägt zur Entmenschlichung bei. Wir sehen den anderen Verkehrsteilnehmern eher den Mercedes, den Porsche oder den Gebrauchtwagen und nicht Peter, Maya oder Hanna.

Sich in die anderen Verkehrsteilnehmer einfühlen

Neu ist das allerdings nicht, sagt Jens Schade. Das Phänomen gibt es sogar schon seit 30 Jahren. Hinzu kommt: Oft deuten wir das Verhalten anderer schneller als aggressiv als unser eigenes. "Manchmal sage ich, was ist das für ein aggressiver Fahrer und schreibe es nicht dessen Situation zu. Das führt dann halt dazu, dass man viele Handlungen, die man selbst auf sich nicht als aggressiv bezieht, bei anderen als aggressiv wahrnimmt", sagt Jens Schade. Bleibt also die Frage, wie wir den Verkehr entspannter gestalten. Wir sollten uns stattdessen in die anderen einfühlen, rät der Verkehrspsychologe Jens Schade, statt sie als Raser oder Kriecher abzustempeln.