In vielen seiner Sitzungen spielt das Thema Streit eine bedeutende Rolle: Der Therapeut Peter Groß plädiert dafür, die Auseinandersetzungen bewusst auszutragen und nicht mit sich herum zu schleppen. Denn ungelöste Probleme können langfristige Schäden nach sich ziehen.

Menschen sind unterschiedlich. Wenn sie zusammenkommen, können sie also gar nicht dieselben Ansichten und Bedürfnisse haben. Wenn es zu einem Konflikt komme, sei Streiten dann besser als sich der Kommunikation zu entziehen, sagt der Therapeut Peter Groß. Denn in diesem Falle male man sich nur aus, was sein könnte. Und die Fantasie sei selten perfekt.

"In erster Linie ist der Streit eine Kommunikation. Ohne Kommunikation können Beziehungen nicht auskommen."
Peter Groß, Therapeut

Über den Streit will der Körper gespeicherte Energien loswerden. Und das sollte er auch. Ansonsten drohen ernsthafte körperliche und psychische Schäden. "Wenn man Streits auf Dauer unterdrückt, kann das im schlimmsten Fall zu psychosomatischen Störungen führen", sagt der Therapeut Peter Groß.

Angriff und Verteidigung

Trotzdem: Streiten macht ja nun wirklich nicht immer Spaß. Warum nur laufen Streits so häufig aus dem Ruder? Weil es nur noch um Angriff und Verteidigung geht, sagt Groß. Ab einem bestimmten Moment werden keine Informationen zum ursprünglichen Sachverhalt mehr ausgetauscht. Die Programmierung "Angriff und Verteidigung" diente dem Menschen ursprünglich zur Lebenserhaltung. Heute sei uns das aber meistens nicht mehr so dienlich, erklärt der Therapeut.

"Je heftiger die Emotion, desto schwieriger wird es mit dem klaren Denken."
Peter Groß

Bei einem Streit muss es am Ende gar nicht unbedingt immer einen Kompromiss geben. Beispiel Kinobesuch: Wenn sie den einen Film sehen will und er den anderen, dann kann man sich entweder auf einen Film (oder alternativ auf einen Restaurant-Besuch) einigen - oder aber beide gehen in den Film, den sie bevorzugen.