Seit April läuft der Hochschulbetrieb wegen der Coronavirus-Pandemie überwiegend digital. Über 3000 Professoren und Dozenten fordern jetzt in einem offenen Brief die schrittweise Rückkehr zur Präsenzlehre, denn diese sei eine Grundlage universitären Lebens. Aufgesetzt hat den Brief unter anderem der Frankfurter Germanistik-Professor Roland Borgards.

Kindergärten, Schulen oder Baumärkte – in den verschiedensten Bereichen sei darüber diskutiert worden, unter welchen Bedingungen die Schutzmaßnahmen wegen der Coronavirus-Pandemie gelockert werden können. Nur über den Universitätsbetrieb und einer Rückkehr zum Präsenzbetrieb sei wenig gesprochen worden, sagt Roland Borgards, Professor für Germanistik an der Universität Frankfurt.

"Überall gibt es Diskussionen darüber, unter welchen Bedingungen man wieder zurück und wieder miteinander in einem Raum sein kann. Nur zu den Universitäten war überhaupt nichts zu hören."
Roland Borgards, Professor für Germanistik an der Uni Frankfurt

Roland Borgards will mit einigen Kolleginnen und Kollegen über einen offenen Brief ein Stimmungsbild unter den Lehrenden einholen und eine öffentliche Diskussion anstoßen.

Große Resonanz auf offenen Brief

Das ist ihnen gelungen, denn mittlerweile haben über 3000 Professoren und Dozenten den Brief unterzeichnet. Die große Resonanz hat Roland Borgards überrascht.

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Dank des offenen Briefes laufe jetzt eine differenzierte Diskussion darüber, wie eine Rückkehr zum Normalbetrieb ablaufen könne, so der Germanist. Zuvor sei die Diskussion ein bisschen zu sehr nach dem Schema traditionelle Präsenzlehre auf der einen Seite und moderne, digitale Lehre auf der anderen Seite verlaufen.

Präsenz als Teil des universitären Lebens

Der Brief richtet sich nicht gegen die digitale Lehre, denn die laufe überraschend positiv und biete viele neue Möglichkeiten. Ihm geht es darum, deutlich zu machen, dass Präsenz, Anwesenheit und Austausch der Studierenden und Lehrenden auf dem Campus der Kern des universitären Lebens ist.

"Uns geht es darum, viel grundsätzlicher zu sagen, dass der Kern der Universität und des universitären Lebens die Präsenz ist, die gleichzeitige Anwesenheit von Studierenden und Lehrenden auf dem Campus."
Roland Borgards, Germanist an der Universität Frankfurt

Dabei gehe es nicht nur darum, dass Lehre von Angesicht zu Angesicht stattfinde, sonder gemeinsam ein sozialer Raum bespielt werde.

Unterstützung aus allen Fachbereichen

Dass der Anstoß zur Diskussion dabei aus den Geisteswissenschaften komme, sei historisch betrachtet in gewisser Weise die Funktion der geisteswissenschaftlichen Disziplin. Schon Kant habe im Streit der Fakultäten gefordert, dass Geisteswissenschaften eine Form von Reflexion über das Funktionieren von Wissenschaft insgesamt liefern sollen. Unterstützung kommt aber in voller Breite aus allen Fachbereichen und Disziplinen, sagt der Germanistik-Professor.

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Lösungen für die Rückkehr zur Präsenzlehre unter Beachtung der Hygieneregeln zu finden, sei anstrengend. Schon für Schulen ist das schwer, für die Universitäten werde das aufgrund ihrer Größe noch einmal schwieriger. Die Hoffnung Roland Bongards ist, dass man im kommenden Wintersemester schon ein kleines Stück weiter ist.