Bilder vom Leiden Covid-19-Kranker sind immer wieder in den Nachrichten. Ein Lehrvideo der Universität Tübingen gibt einen konkreten Einblick in die medizinischen Abläufe auf Intensivstationen.

Ein junger Mann wird in die Intensivstation geschoben, seine Brust hebt und senkt sich, als hätte er einen Marathon hinter sich. Drei Pflegerinnen und Pfleger, ein Anästhesist und ein Oberarzt, eingepackt in Schutzkittel, Masken, Hauben, Gesichtsschild und Handschuhen, stellen sich um ihn herum auf. Sie helfen ihm auf ein anderes Bett und geben ihm Medikamente. Alles passiert rasend schnell.

Ein Corona-Patient wird von verschiedenen Ärzten behandelt
© Screenshot | Universität Tübingen
Der Patient wird auf die Behandlung vorbereitet

Mit dieser nachgestellten Szene beginnt ein Lehrvideo der medizinischen Fakultät der Universität Tübingen. Eigentlich ist das Video eines von vielen Lehrvideos für Medizinstudierende und medizinisches Personal. Doch die Universität hatte sich dazu entschlossen, es öffentlich zugänglich zu machen und hat es nicht nur auf der eigenen Webseite, sondern auch auf Youtube hochgeladen.

Wie eine Covid-19-Intensivbehandlung aussehe, davon gäbe es viele unterschiedliche Vorstellungen und vieles sei bisher zu abstrakt geblieben, sagt Bernhard Hirt, Leiter der Anatomie, in einer Begrüßung zu Beginn des Videos.

Zeigen, wie es wirklich ist

Das Video begleitet einen jungen Patienten während seiner dreiwöchigen Covid-19-Behandlung, zusammengefasst in eineinhalb Stunden. Der Patient wird dargestellt von Lasse Wiesinger, 30 Jahre alt, und selbst Arzt auf der Intensivstation. Er hat sich freiwillig gemeldet, weil er zeigen wollte, wie es auf den Intensivstationen täglich zugeht.

"Ich wollte zeigen, wie es an der vordersten Front denn wirklich aussieht und, dass es wirklich brisant ist und nicht nur ein Getue ist."
Lasse Wiesinger, Schauspielpatient und Intensivmediziner

Im Video wird nichts versteckt, nichts weggelassen. In einer Nahaufnahme sieht man, wie dem Patienten Venenkatheter angelegt werden, Blut spritzt. Ist das nicht ein bisschen viel für ein öffentliches Video? Bernhard Hirt und Lasse Wiedinger sagen ganz klar: Nein, das seien erstens noch nicht die schlimmsten Darstellungen und es gehe einfach darum, die Realität zu zeigen und das ohne erhobenen Zeigefinger, sondern ganz nüchtern.

"Das ist für unsere Intensivstation ein durchschnittlicher Fall. Der schlimmere Normalfall. Und wir haben damit tagtäglich zu tun."
Lasse Wiesinger, Schauspielpatient und Intensivmediziner

Die Belastung des Personals

Es wird auch gezeigt, wie anstrengend die Behandlung für das medizinische Personal sein kann. Der Patient ist während der gesamten Therapiewochen zu keinem Zeitpunkt alleine.

Man sieht beispielsweise, wie der Oberarzt als Vorbereitung auf das Anschließen an eine künstliche Lunge, dicke Schläuche speziell auf den Patienten zurechtschneiden und so luftleer wie möglich und mit viel Kraft zusammenstecken muss. Etwa 60 Prozent der Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen müssen beatmet werden. Eine künstliche Beatmung wie in diesem Video ist allerdings etwas seltener.

Drei Pflegekräfte setzen einen Corona Patienten in einem Lehrvideo auf
© Screenshot | Universität Tübingen
Der Patient wird von Physiotherapeuten und einer Fachpflegekraft aufgesetzt

Und als es dem Patienten nach mehr als zwei Wochen wieder besser geht, kommen eine Physiotherapeutin, ein Physiotherapeut und eine Fachpflegekraft, richten ihn mühsam im Bett auf und kneten Rücken und die Seiten. So wollen sie die Lungenmuskulatur trainieren. Auch, wenn diese Behandlung für die Beteiligten der Normalfall ist, das Engagement des Teams bei derartigen Behandlungen zu sehen, sei für Bernhard Hirt ergreifend.

"Wie da mit dem Patienten im Team von vier, fünf Leuten gearbeitet wird: Das fand ich enorm ergreifend."
Bernhard Hirt, Leiter der Anatomie der Universität Tübingen