Weltweit verursacht die Textilproduktion jedes Jahr mehr als eine Milliarde Tonnen CO2. Studierende der TU Berlin wollen zeigen, dass Kleidung auch einen positiven Effekt fürs Klima haben kann - mit einem denkbar einfachen Vorschlag.

Für die Studierenden ist es ein Teil ihrer Abschlussarbeit: Die 16 Frauen und Männer lernen an der TU Berlin bei der Designerin Josephine Barbe über Nachhaltigkeit in der Mode. Dafür haben sie in ihre Kleiderschränke geguckt, was eigentlich aussortiert gehört: Kleidung, die niemand mehr anzieht, Pullover mit Mottenlöcher und so weiter. Dann haben sie sich überlegt, was aus diesem alten Kram gemacht werden könnte.

In Berlin präsentieren die Studierenden am 11.02.2020 ihre Kreationen. Es ist Upcycling-Mode, also Second-Hand-Stücke, die sie aufgearbeitet haben. "Ein Basketball wurde mitgebracht, und in Kombination mit einem alten verfilzen Pullover wurden daraus ganz tolle Pantoffeln", erzählt Josephine Barbe. Oder die Studis haben Ponchos umgenäht und daraus Kostüme gemacht. Oder aus mehreren zerlöcherten Pullover einen neuen, farbenfrohen Pulli.

Pullover gegen Klimawandel und CO2

"Pullis gegen CO2" ist das Motto der Studierenden. Das ist gar nicht als Witz gemeint, sondern hat einen wahren Kern. "Die Heizung ist ja zum Großteil für den Energieverbrauch von Gebäuden verantwortlich", sagt die Design-Dozentin Barbe. "Und wenn wir zuhause einfach ein Grad runterdrehen, sparen wir sechs Prozent Energiekosten und Treibhausgase ein." Wer einen dicken Pulli trägt, muss weniger heizen.

"Wenn du ein Second-Hand-Shirt kaufst, dann unterstützt du mit deinem Konsum keine Neu-Produktion."
Anna Kohn, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Umweltfreundlich ist aber auch das Upcycling selbst, also dass hier Second-Hand-Mode verwendet wird und eben nichts Neues produziert werden muss. Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Anna Kohn erklärt: "Du verlängerst damit die Lebensdauer von Textilien, die in der Herstellung schon ganz schön viele Ressourcen verbraucht haben."

Umweltschädliche Schafwolle

Ein simples T-Shirt aus Baumwolle hat bereits keine besonders gute Umweltbilanz, sagt Josephine Barbe: Da fielen 2,1 Kilogramm CO2 an. Dazu kämen mehrere tausend Liter Wasser. Auch Schafwolle sei wenig umweltfreundlich: "Die Schafwolle ist ganz extrem schlecht, die pupsenden Schafe produzieren viel Methan." Darum hätte die Wolle eine schlechtere Umweltbilanz als viele Kunstfasern - Methangas gilt als 25 Mal klimaschädlicher als CO2.

"Die Schafwolle ist ganz extrem schlecht. Die pupsenden Schafe produzieren sehr viel Methan."
Josephine Barbe, Designerin und Dozentin für "Nachhaltige Kleidung und Mode" an der TU Berlin

Insgesamt verursacht die Textilproduktion weltweit mehr als eine Milliarde Tonnen CO2. Das ist mehr als alle internationalen Flüge und Schiffe zusammen. Und am Ende landen die meisten Klamotten im Altkleidercontainer. Die Studierenden von Josephine Barbe zeigen: Mit Upcycling können diese Kleidungsstücke weiter verwendet werden.