Paris ist extrem dicht besiedelt. Dennoch soll dort das größte Urban Gardening-Projekt weltweit entstehen. Die ersten Pflanzen wachsen und die Ernte naht. Zwei Start-ups stecken hinter dem städtischen Bauernhof, der auf viel Technik setzt, so Marcel Wagner, ARD-Korrespondent für Frankreich.

Auch in Paris wachsen auf dem ein oder anderen Balkon Salat, Tomaten oder vielleicht ein bisschen Thymian. Gärtnern in der Stadt ist auch in Paris angekommen. Doch zwei Start-ups wollen richtig städtische Landwirtschaft in der Metropole: Sie wollen mit NU-Paris sukzessive das größte Urban Gardening-Projekt weltweit entwickeln und zwar auf den Dächern der Messehallen.

Ernten auf den Messehallen von Paris

Das eine Start-up ist Agripolis, das sich um die Technik für städtische Landwirtschaft kümmert; das zweite Unternehmen ist Cultures En Ville. Marcel Wagner, ARD-Korrespondent für Frankreich, erklärt: "Die kümmern sich mehr um die Vermarktung und die Bespielung des Ganzen." In ihrem Auftrag kümmern sich Gärtner und Gärtnerinnen um die Pflanzen. Aber auch die Anwohnerinnen und Anwohner können mitmachen, beispielsweise indem sie Hochbeete anmieten und ihr eigenes Obst und Gemüse anbauen.

Keine Transportwege, keine Pestizide

Ein Vorteil von Urban Farming ist, dass Transportwege und damit CO2-Emissionen eingespart werden. Gemüse und Obst müssen nicht in die Stadt gebracht werden, sondern werden direkt lokal angebaut. Ziel ist es natürlich, dass das Obst und Gemüse auch direkt vor Ort verkauft wird. Damit das lukrativ ist, setzen die Macher auf ausgefeilte Technik, mit deren Hilfe auf wenig Platz, maximal effizient angebaut werden kann.

"Man will immer neue Techniken entwickeln. Sodass man möglichst viel Gemüse und Obst auf wirklich wenig Platz züchten kann."
Marcel Wagner, ARD-Korrespondent für Frankreich

Im Moment werden auf den Messehallen 4000 Quadratmeter als Anbaufläche genutzt, so Marcel Wagner. Aber die Projekte wollen expandieren: In zwei Jahren sollen es 14.000 Quadratmeter sein, die täglich rund eine Tonne Obst und Gemüse liefern sollen, so Marcel Wagner.

"In zwei Jahren sollen 14.000 Quadratmeter genutzt werden. Dann soll rund eine Tonne Obst und Gemüse am Tag gezüchtet werden."
Marcel Wagner, ARD-Korrespondent für Frankreich

Auf dem Dach werden Pflanzen auch aeroponisch angebaut. "Das ist eine Technik, bei der die Wurzeln gar nicht in der Erde stecken", sagt Marcel Wagner. Erdbeeren zum Beispiel wachsen dann in Plastiksäulen, in denen alle 15 bis 20 Minuten eine Nährstoffwasserlösung verteilt wird, die die Pflanzen ernährt. Die Wasserlösung wird wieder aufgefangen. So sollen 90 Prozent des Wasserverbrauches gespart werden, so die Start-ups.

Auf einem Dachgarten stehen Reihen weißer Säulen mit Öffnungen, aus denen Pflanzen wachsen. Dieses vertikale Farming gehört zum Projekt NU-Paris (23.06.2020).
© Imago I IP3press
Vertikales Wachsen auf den Messehallen von Paris: Die Wurzeln dieser Pflanzen haben nie Erde gesehen. Aber sie werden regelmäßig mit einer Nährstoffwasserlösung versorgt.

Beim Urban Farming auf den Messehallen werden keine Pestizide genutzt. Ein Biosiegel bekommen die Lebensmittel aber nicht, denn bislang gibt es keine Bio-Zertifizierung für diese Anbausysteme.

Um bekannter zu werden, öffnen die Start-up-Macher ihren Quasi-Bauernhof für die Öffentlichkeit. Wer will, kann ihn regelmäßig besuchen und sich anschauen, wie Auberginen oder Tomaten "eigentlich" wachsen. Manchmal eben auch vertikal. So soll Nähe zu den Parisern und Pariserinnen geschaffen werden.