Im März 2014 sorgte das Bicep2-Team um John Kovac von der Harvard-Universität für eine Sensation. Sie verkündeten die Entdeckung von Gravitationswellen aus der Zeit unmittelbar nach dem Urknall. Der Nobelpreis schien greifbar nahe, doch nun wird immer mehr Kritik laut.

Seit Langem vermuten Theoretiker, dass sich das Universum kurz nach dem Urknall unfassbar schnell aufblähte und ausdehnte. Diese sogenannte Inflation konnte bislang nicht bewiesen werden. Doch zugleich wird vermutet, dass diese Spuren hinterlassen haben muss.

Die Messung von Schockwellen des Urknalls

Das Bicep2-Team um John Kovac will diese Spuren gefunden haben. Und zwar anhand von Messungen des Teleskops Bicep2 am Südpol. (DRadio Wissen berichtete.) Doch der Staub in unserer Galaxie, der Milchstraße, kann solche Messergebnisse stark verzerren. Denn die Strahlung muss auf dem Weg zum Teleskop zunächst durch die heimische Milchstraße mit all ihrem galaktischen Staub gelangen. Kritiker vermuten deshalb, dass die Messungen durch Störeffekte verfälscht wurden.

"Gewisse Annahmen stehen auf wackeligen Beinen. Es kann wirklich sein, dass die Interpretationen falsch waren."

Das Bicep2-Team weiß um solche Störeffekte und hat versucht, diese herauszurechnen. Doch das beruhigt nicht die Kritiker. Hinzu kommt, dass genaue Daten nur die Konkurrenz hat, nämlich das Team um das Planck-Weltraumteleskop, das selbst auf der Suche nach uralten Gravitationswellen ist.

Wettstreit zwischen Wissenschaftlern

Mangels Originaldaten verwendete das Bicep2-Team unter anderem eine Grafik aus einem Planck-Vortrag. Was fragwürdig ist, wenn man nicht alle Originaldaten hat, sondern nur auf eine Grafik zurückgreift. Hier herrscht auch ein Streit zweier Teams darüber, wer zuerst Erkenntnisse veröffentlicht.

Vielleicht war es zu früh von Kovac und seinem Team von einer Entdeckung zu sprechen, unabhängig von möglichen Fehlern. Schließlich konnte das Bicep2-Team von vornherein nur mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 98 Prozent ausschließen, allein galaktischen Staub gemessen zu haben. Gewissheit dürfte es erst im Herbst geben, wenn das Planck-Team seine Analyse veröffentlicht.