Das Landgericht Bremen hat jetzt zwei Ärzte zu 100.000 Euro Schmerzensgeld verurteilt. Die Ärzte hatten den früheren Fußballprofi Ivan Klasnic betreut und sein Nierenleiden nicht erkannt.

Wegen grober Behandlungsfehler müssen zwei Ärzte dem früheren Profifußballer Ivan Klasnic 100 000 Euro Schmerzensgeld zahlen. Das verkündete das Landgericht Bremen am Freitag. Ein früherer Mannschaftsarzt von Werder Bremen und eine Internistin haften zudem für alle bisherigen und künftigen Behandlungskosten.Nach Auffassung der Zivilkammer hätten die Ärzte die auffälligen Nierenwerte des Fußballers erkennen und behandeln müssen. Dies sei nicht geschehen.

Die Geschichte beginnt schon vor über 20 Jahren. Angeblich soll der Fußballspieler Ivan Klasnic bereits im Jahr 1997 - als er von St. Pauli zu Werder Bremen wechselt - ein Nierenleiden gehabt haben. Aber schon damals wird es nicht erkannt.  

"Eigentlich genügt ein Blick auf die Blutwerte. Sein Kreatininwert war deutlich erhöht. Das ist ein klares Zeichen einer Nierenproblematik."
Philipp May, Sportredakteur

Ivan Klasnic bekommt damals Diclophenac - ein Schmerzmittel. Das ist üblich im Fußball, allerdings geht Diclophenac auf die Nieren. Und genau das ist jetzt auch der Punkt, an dem das Gericht festmacht, dass in der Behandlung des Sportlers gepfuscht wurde, erklärt Philipp May aus der Sportredaktion. Beide Ärzte hätten Fehler gemacht, bei denen objektiv nicht mehr nachvollziehbar sei, dass das einem Arzt passieren könne - so die Argumentation des Richters.

"Der Richter spricht von schwerwiegenden Behandlungsfehlern, die dem Arzt unterlaufen seien und damit hätten sie grob fahrlässig gehandelt."
Philipp May, Sportredakteur

Für Ivan Klasnic bedeutet diese Fehlbehandlung der Ärzte, dass er bereits mit 26 Jahren eine Spenderniere braucht. 2007 wird ihm dann eine Niere seiner Mutter transplantiert. Doch der Körper nimmt die Niere nicht an. Etwas später bekommt er dann eine Niere seines Vaters, die dann neun Jahre hält. Klasnic kann sogar kurzfristig in den Profisport zurückkehren. 

Inzwischen hat Ivan Klasnic auch Probleme mit der zweiten Niere, seit einiger Zeit muss er dreimal pro Woche zur Dialyse. Er ist jetzt wieder einer von 8.000 Nierenkranken in Deutschland, die auf eine Spenderniere warten.

"Klar ist natürlich, dass es einen Riesendruck in der Bundesliga gibt, Spieler irgendwie für ein Spiel fit zu kriegen. Aber wer da wen unter Druck gesetzt hat, das wissen wir nicht."
Philipp May, Sportredakteur

Die zweite Meinung

Die Frage, die sich aufdrängt: Warum hat sich Ivan Klasnic nicht eine zweite Meinung von einem anderen Arzt geholt? Philipp May erklärt, dass Fußballspieler das - sehr selten - auch mal machen, aber insgesamt hätten sie oft ein sehr enges Vertrauensverhältnis zum Mannschaftsarzt: "Dem glaubst Du einfach und Du erwartest ja nicht wirklich, dass es Dir schlecht geht."