Trump ist eigentlich der perfekte Gegner: Er beschädigt sich mit seinen Aussagen ständig selbst. Trotzdem ist das Rennen um die Präsidentschaft noch nicht gelaufen. Warum nur?

Trump ist aus europäischer Sicht unwählbar. Seine Aussagen sind häufig rassistisch, homophob, Frauen verachtend. Damit sollte Hillary Clinton eigentlich eine gute Chance haben die nächste Präsidentin der USA zu werden.

Hillary Clinton erfüllt diese Kriterien, ist eine professionelle, gestandene Politikerin. Und trotzdem: Ihr Vorsprung ist gar nicht so deutlich. Manche Umfragen sehen Trump sogar vor Clinton.

Immer dieselbe Partei

Warum halten viele US-Amerikaner Hillary Clinton überhaupt für unwählbar? Wir haben Walter Grünzweig um eine Einschätzung gebeten. Er ist geschäftsführender Direktor des Instituts für Anglistik und Amerikanistik an der TU Dortmund und führt verschiedene Gründe auf, die dem Rennen um die Präsidentschaft in den USA eine gewisse Spannung verleihen:

  • Manche Menschen wählen aus Prinzip keine Kandidaten der Partei, die nicht ihre politische Heimat ist. So wie es in Deutschland Menschen gibt, die immer dieselbe Partei wählen, egal wer Kanzlerkandidat und Parteivorsitzender ist. Manche Amerikaner wählen Donald Trump also einfach deshalb, weil er der Kandidat der Republikaner ist.
  • Die Republikaner betreiben Fundamentalopposition, vielmehr sogar Ablehnung. Das war bei Obama schon so: Ein schwarzer Präsident geht nicht. Und eine weibliche Präsidentin geht auch nicht - nochmal mehr, wenn sie sich nicht als richtige Frau verhält. Sie soll Cookies backen und ihren Mann verwöhnen. So sehen das vor allem weiße Männer (aber auch Frauen), die den Republikanern nahe stehen oder Parteien, die noch weiter rechts anzusiedeln sind.
"So eine Ablehnung habe ich außer bei Obama noch nie gesehen. Für manche Republikaner ist es unmöglich, sich eine Präsidentin Hillary Clinton auch nur vorzustellen."
Walter Grünzweig, geschäftsführender Direktor des Instituts für Anglistik und Amerikanistik an der TU Dortmund
  • Die Demokratin Clinton bereitet mit ihrer Anti-Putin-Politik den Dritten Weltkrieg vor, ist ebenfalls ein Vorwurf ihrer Gegner. Das Kuriose daran: Republikaner waren stets Befürworter einer harten, selbstbewussten Außenpolitik. Hillary Clinton vertritt eine solche, doch bei ihr ist es plötzlich falsch, sagen ihre Gegner.
  • Hillary und ihr Mann Bill haben Skandale magnetisch angezogen, etwa die E-Mail-Affäre und die um Monica Lewinsky. Manche mögen die Clintons auch einfach als Dynastie nicht.

Trotz allem sollte Hillary Clinton nicht versuchen, jetzt noch ihr Image zu ändern, sagt Walter Grünzweig. Denn dann würde sie ihre bisherigen Anhänger im schlimmsten Fall verlieren ohne neue hinzuzugewinnen. Abgesehen davon geht Grünzweig sowieso davon aus, dass Hillary Clinton die Wahl gewinnen wird.