142 Menschen sterben in den USA täglich an ihrer Opioidsucht. Zeit, den Nationalen Notstand auszurufen, sagen Verbände. Doch Donald Trump verfolgt eine andere Strategie.

Schmerzmittel - so viel es geht. Nach aktueller Studien ist in den USA jeder Dritte süchtig nach Opioiden, das sind besonders starke, verschreibungspflichte Schmerzmittel. Eines der bekanntesten lautet etwa OxyContin, kurz auch Oxy genannt.

Heute zieht die Sucht in der amerikanischen Bevölkerung weite Kreise, berichtet aus Washington Deutschlandfunk-Nova-Korrespondent Marc Hoffmann: Sie geht über alle Schichten, Altersgruppen und Bundesstaaten und hat extrem fatale Folgen. 142 Menschen sterben täglich an einer Überdosis.

Jede Woche tausend Tote

Bei einem aktuellen Krisengipfel haben Hilfsorganisationen und eine Expertenkommission US-Präsident Donald Trump nun aufgefordert, den nationalen Notstand auszurufen, erklärt Marc Hoffmann: "Die Zahl der Toten ist wirklich erschreckend groß". Und das Problem ist hausgemacht.

"Die Schmerzmittel auf Rezept hat man lange unterschätzt. Seit den 90er Jahren haben Ärzte Schmerzmittel sehr leichtfertig herausgegeben."
Marc Hoffmann, Deutschlandfunk-Nova-Korrespondent in Washington

Angefangen hat die Sucht bei den meisten Betroffenen durch vom Arzt verschriebene Medikamente, etwa nach einer OP oder einer Krankheit. Darauf folgt die Abhängigkeit nach dem permanenten Hochgefühl und es geht weiter - so ähnlich wie bei Dave aus Maryland: Er belügt die Ärzte, um weiter an die Medikamente zu kommen. Das geht bei ihm zehn Jahre so. Für viele andere sind die Opioide Einstieg für weitere Suchtmittel, Beschaffung über Dealer und illegale Apothekengeschäfte. 

"Lange Zeit war die Opioidsucht ein Tabuthema", berichtet Marc Hoffmann. Auch da sie nicht vor der heilen Welt der gehobenen Mittelschicht Halt macht. Nun aber sind die Zahlen zu drängend, als dass sich verschweigen ließe, was in der Vergangenheit falsch gelaufen ist. Schmerzmittel seien leicht verschrieben worden - ohne Blick darauf, dass sie missbräuchlich verwendet werden können, so Marc Hoffmann.

"Man merkt hier ist eine Hilflosigkeit und die USA sind nicht wirklich vorbereitet auf diese vielen Betroffenen."
Marc Hoffmann, Deutschlandfunk-Nova-Korrespondent in Washington

Mittlerweile hat es ein Umdenken in der Medizinerschaft gegeben. "Seit etwa fünf Jahren schauen Ärzte genauer hin", erklärt der Washington-Korrespondent: "Aber das ist wie bei der Titanic, das Schiff lässt sich nicht mehr so leicht umsteuern. Das dauert." 

Der Plan: Hartes Durchgreifen

US-Präsident Donald Trump will indessen nicht die nationale Krise ausrufen, um mehr Gelder für die Bekämpfung der Sucht und ihrer Folgen freizugeben. Stattdessen setzt die Trump-Regierung vor allem auf hartes Durchgreifen gegen Dealer, korrupte Apotheker und Ärzte. Zudem schiebe die Regierung die Verantwortung eher Richtung der lokalen Behörden, so Marc Hoffmann.

Trump kündigte an, die tödliche Epidemie zu besiegen. Wie genau dieser Plan erfolgreich wirken soll, dazu stehen Ergebnisse noch aus.