Ein bisschen billigerer Strom und ein bisschen weniger Kontrolle über die Klimaanlage. Das war der Deal. In Colorado haben sich Kundinnen und Kunden trotzdem beschwert.

Kundinnen und Kunden eines Stromanbieters im US-Bundesstaat Colorado konnten zeitweise die Thermostate ihrer Klimaanlagen nicht mehr händisch auf stärkere Kühlung einstellen. In ihren Verträgen zur Stromversorgung ist genau dies für Energie-Notfälle vorgesehen.

Trotzdem haben sich einige der Stromverbrauchenden beschwert und die Regelung – für die sie eine Einstiegsprämie und einen jährlichen Bonus erhalten – in Frage gestellt. Betroffen waren rund 20.000 Haushalte. Sie hätten vielleicht einen anderen Tarif wählen sollen, findet Deutschlandfunk-Nova-Reporter Michael Gessat.

"Die haben doch den Sinn nicht kapiert, beziehungsweise legen den Deal mit dem Preisnachlass etwas sehr einseitig zu ihren Gunsten aus."
Michael Gessat, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Der Grund für den Notfall war nach Angaben des Stromversorgers Xcel Energy ein Kraftwerksausfall. Zugleich war der Stromverbrauch wegen der Hitze extrem hoch. Der Anbieter hat die Regelung erstmalig und nur für rund eine Stunde in Kraft gesetzt.

Klimaanlagen gehören in den USA zum Ausstattungsstandard und verbrauchen erhebliche Strommengen. Die Zahl der Klimageräte nimmt weltweit massiv zu.

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Auch in Deutschland und in der Europäischen Union gibt es Überlegungen, fernsteuerbare, smarte Thermostate einzuführen - weil so bei zu hohen Verbräuchen temporär der Strom-(oder auch Gas-)Verbrauch heruntergeregelt werden kann. In Zukunft werden die meisten Heizungen wohl auf einem Wärmbepumpensystem basieren und mit Strom betrieben.

Von der praktischen Umsetzung ist man aber weit entfernt. Davon abgesehen können smarte Thermostate - unabhängig davon, ob sie ferngesteuert werden können oder nicht - auch Nachteile haben.

Einer lautet: Sie verbrauchen selbst Strom, wenn auch nur eine kleine Menge.

"Das lobenswerte Ziel – Energiesparen – ist möglicherweise nicht so super-einfach durch smarte Geräte und Vernetzung lösbar, wie man meinen könnte."
Michael Gessat, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Das schwerwiegendere Gegenargument ist aber, dass programmierbare Thermostate die Spitzenlasten beim Stromverbrauch sogar erhöhen können, statt sie zu verringern, zum Beispiel, wenn viele Thermostate so eingestellt werden, dass jeden Tag zu bestimmten Uhrzeiten ordentlich wärmen oder kühlen. Das könnte unter anderem auch daran liegen, dass einige Verbraucher*innen ein neu eingebautes Thermostat gar nicht selbst auf ihre eigenen Bedürfnisse anpassen, sondern auf den Werkseinstellungen belassen.