Seit über einem halben Jahr sind Plastiktüten in Kenia verboten. Wer sie weiterhin benutzt, kann sogar im Gefängnis landen. Der Umwelt hilft das Verbot. Aber nicht alle Kenianer sind glücklich damit.

24 Millionen Plastiktüten wurden in Kenia jeden Tag weggeschmissen. "Gerade die dünnen Tüten verbreiten sich rasant, Verkäufer brauchen zwei oder sogar drei, damit sie halten", erinnert sich Geoffrey Wahungu von der Umweltschutzbehörde NEMA, "Wir versinken in ihnen, es gibt keine andere Möglichkeit, als sie zu verbieten." 

Plastiktütenverbot seit August 2017

Für die Marktverkäuferin Angeline ist das Plastiktütenverbot problematisch, weil sie nicht mehr weiß, wie sie das geschnittene Gemüse verpacken soll. Trotzdem ist das Verbot ein erster Schritt im Kampf gegen die Unmengen von Plastiktüten in Kenia, meint Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Linda Staude. Die Straßen und die Landschaft sind viel sauberer. Doch einige Kenianer sind wie Angeline gar nicht begeistert von dem Verbot. 

"Wir schneiden das Gemüse für die Kunden. Es ist nass, womit soll ich es jetzt verpacken? Wenn ich es nicht mehr schneiden kann, womit soll mein Geld verdienen? Das Tütenverbot schadet mir sehr."
Angeline, Marktverkäuferin in Nairobi

100.000 Arbeitsplätze sind verschwunden durch das Verbot, meint die Industrielobby. Sie hält nichts von einem Verbot. Viele Markverkäufer hingegen haben sich neun Monate nach dem Verbot Ersatz gesucht: Sie wickeln ihre Ware nun in alte Zeitung, die sie allerdings kaufen müssen. Die meisten Käufer bringen außerdem eigene Taschen mit. Die offizielle Alternative - dicke Tüten aus gewebtem Plastik - ist allerdings auch nicht viel besser, als die dünne Tüte, meint Samuel Matonda vom Industrieverband: "Wir bewegen uns von einem Problem zu einem größeren", weil man die gewebten Plastiktaschen nicht recyceln kann. Wenn sie nach fünf Jahren weggeschmissen werden, verursachen sie noch mehr Probleme. 

"Sollen sie mich doch einbuchten, das bringt mir wenigstens kostenlose Malzeiten, wo alles so teuer geworden ist. ich werde weiter Plastiktüten benutzen, wenn sie mich deswegen verhalten wollen: nur zu."
Kenianer aus Kibera, dem größten Slum Nairobis

In Kibera, Nairobis größtem Slum, verrotten Abfälle und Verpackungsmüll. Dazwischen liegen auch neun Monate nach dem Verbot immer noch Plastiktüten - Altlasten, weil Plastik nicht verrottet. Damit die Plastikberge wirklich nicht weiter steigen, hat die Umweltbehörde nach eigenen Angaben bereits 165 Menschen eingesperrt für den Besitz, Verkauf und Schmuggel von Plastiktüten. Die strengen Strafen haben das Umweltbewusstsein der Kenianer deutlich geschärft. 

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