"Du kennst mich nicht, aber du warst in mir." So beginnt der Brief des Opfers einer Vergewaltigung an den Täter, einen Studenten der Elite-Uni Stanford. Er wird zu sechs Monaten Haft verurteilt. Reicht das? Darüber wird nicht nur in den USA gestritten.

Nachdem Brock Turner im März von einer Jury schuldig gesprochen worden war, wurde er nun zu sechs Monaten Haft verurteilt. Außerdem muss er sich als Sexualstraftäter registrieren lassen. Die Staatsanwaltschaft hatte sechs Jahre gefordert - bis zu 14 Jahre wären möglich gewesen. Über das Strafmaß von sechs Monaten wird heftig diskutiert.

Nach einer Party an der Elite-Universität Stanford im Januar 2015 vergewaltigte Turner eine Frau. Beide waren an dem Abend betrunken, die 22-Jährige, keine Studentin, war während der Gewalttat bewusstlos. Der damals 20-Jährige war im Schwimmteam der Uni und eine Olympia-Hoffnung.

Im Netz fordern viele die Absetzung des Richters

Es gibt mehrere Online-Petitionen gegen den Richter: Eine mit mehr als 700.000 Unterschriften fordert, dass der zuständige Richter Aron Persky sein Amt verliert. Eine Jura Professorin der Universität Stanford will juristisch gegen ihn vorgehen. Sie hat gemeinsam mit anderen die Website RecallAaronPersky veröffentlicht.

Die sechs Monate wird Turner in einem Bezirksgefängnis absitzen, nicht in einem Bundesgefängnis, wie es die Staatsanwaltschaft gefordert hatte. Richter Persky hatte zu seiner Entscheidung gesagt, dass eine Haftstrafe im Bundesgefängnis schwerwiegende Folgen für den Täter hätte. Turner sei sehr jung und nicht vorbestraft. Viele schütteln da den Kopf: Wieso sorgt sich da jemand mehr um den Täter als das Opfer?

Diskutiert wird auch über zwei Briefe. Den einen hat das Opfer an den Täter geschrieben. Unter anderem hat Buzzfeed den Brief veröffentlicht. Schon mehr als elf Millionen Mal wurde er im Netz abgerufen. Auf dem US-Nachrichtensender CNN hatte eine Moderatorin das Schreiben fast komplett vorgelesen.

Dann wurde ein Brief von Turners Vater publik. Dieser hatte an den Richter geschrieben und um ein mildes Urteil gebeten. Seinem Sohn ginge es schlecht; er werde nun niemals erreichen, wovon er geträumt hat. Das sei der Preis für diese "20 Minuten Aktion". Vergewaltigung als eine Aktion von 20 Minuten zu beschreiben, darüber sind viele wütend und entsetzt.

Diskussion gibt es auch um das Mugshot von Turner, das Foto, das die Polizei nach der Festnahme von ihm gemacht hat. Diese Fotos werden zumeist ganz selbstverständlich veröffentlicht, vor allem auch bei sexuellen Straftaten. Doch das Polizeifoto Turners wurde monatelang nicht publik.