"Der Eisberg misst 2.900 Quadratkilometer, das ist ungefähr so groß wie das Saarland" – so ein Beispiel aus unseren Wissensnachrichten. Das Saarland muss oft herhalten, wenn es darum geht, eine Fläche zu veranschaulichen. Aber ist das wirklich hilfreich? Deutschlandfunk-Nova-Reporter Klaus Jansen arbeitet in unserer Nachrichtenredaktion und weiß Gründe und Alternativen.

2.569,69 Quadratkilometer – so groß ist das Saarland, wenn wir es ganz genau nehmen. Und hier liegt dann auch schon das Problem, denn unter einer abstrakten Zahl können wir uns oft nichts vorstellen. Daher ziehen Journalistinnen gerne Vergleiche – wie den zwischen Eisberg und Saarland – um die Größe anschaulicher zu machen.

"Das kenne ich selber, wenn ich in der Nachrichten-Redaktion arbeite. Dann versuche ich manchmal auch, die Hörer nicht mit großen abstrakten Zahlen zu erschlagen. Und im Bereich so zweieinhalb Tausend, 3.000 Quadratkilometern, da winkt schon mal das Saarland."
Deutschlandfunk-Nova-Reporter Klaus Jansen

Angabe von Quadratkilometern ist oft zu abstrakt für unser Verständnis

Aber verstehen wir wirklich, was es bedeutet, wenn etwas ungefähr so groß wie das Saarland ist? Die Antwort ist: nicht wirklich. Die meisten können sich unter der Größe allein nichts vorstellen. Nicht einmal die Saarländer selbst. Dennoch hilft uns der Vergleich, eine Größe in einen Kontext zu setzen. Das sagt Patrick Huber, Physikprofessor an der TU Hamburg und gebürtiger Saarländer: "Es ist ein kleines Flächenland, aber nicht ganz so klein wie die Stadt-Staaten Hamburg und Berlin. Es hat eine Größe, die wohl häufig passt." 

Am Ende bleibt der Vergleich aber häufig schwammig. Ähnlich steht es übrigens mit Vergleichen wie: "zehnmal so groß wie die Insel Malta" oder "so groß wie 360.000 Fifa-Norm-Fußballfelder". Größenvergleiche wie diese können sich die meisten von uns nicht vorstellen.

"Der Mensch hat für die Fläche kein richtiges Sinnesorgan. Eine Fläche ist ja eine Potenz: Quadratkilometer, Quadratmeter. Die kann sich der Mensch nur schwer vorstellen."
Marc Ritter, Buchautor

Es bringt also auch nicht viel, ein anderes Vergleichsland oder eine Insel wie Mallorca statt des Saarlandes zu nehmen. Das sagt auch Buchautor Marc Ritter: Flächen, also Potenzen wie Quadratmeter oder -kilometer kann der Mensch nur schwer erfassen. Marc Ritter hat das Buch "Size Matters" geschrieben, und sich darin intensiv mit Größenvergleichen beschäftigt.

Beispiele mit Kilometern statt Quadratkilometern wählen

Ob nun das Saarland als Vergleich herhalten soll oder nicht: Manche Experten, wie der Physiker Patrick Huber, schlagen vor, Entfernungen statt Flächen bei solchen Größenvergleichen zu nutzen. Im Fall des Saarlandes Kilometer statt Quadratkilometer. Wir sagen also nicht mehr, dass das Saarland 2.569 Quadratkilometer groß ist, sondern dass es 75 Kilometer breit und 58 Kilometer lang ist. Menschen, die viel mit dem Fahrrad oder Auto unterwegs sind, können so eine Strecke dann schon besser einordnen.

"Linear denken, also in eine Richtung, fällt den Leuten deutlich leichter. Oder eine Kreisfläche mit dem Durchmesser von 10 Metern. Da können sich die Leute auch eher was drunter vorstellen."
Patrick Huber, Physiker an der Technischen Universität Hamburg

Für andere Menschen wiederum sind Kreisflächen eher vorstellbar, anstelle von Quadratkilometern. Für das Saarland würde das bedeuten: Das Saarland hat einen Durchmesser von 57 Kilometern. Wem das zu abstrakt ist, der könnte auch Zeit als Einheit nehmen. Zum Beispiel: Wir brauchen eine Dreiviertelstunde mit dem Auto, um einmal durch das Saarland zu fahren.

Aber auch diese Alternativen haben ihre Grenzen – beispielsweise fährt nicht jede und jeder Auto. Es gibt immer einen Haken, sagt Klaus. Deswegen habe sich wahrscheinlich das Saarland auch so lange als Größenvergleich gehalten.

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