Gegröle, dampfende Fleischkäs-Brötchen, laute Musik, Körpergerüche oder peinliche Handy-Gespräche – das macht Bahnfahren zur Qual. Dabei könnte es so schön sein, wenn wir uns alle ein wenig Mühe gäben.

In Zügen, Bahnen und Bussen kommen viele Menschen zusammen. Während der Rushhour gibt es meist Gedränge und wir kommen anderen Menschen näher, als wir das freiwillig tun würden. Damit wir andere nicht über Gebühr belästigen, wenn sich kein Abstand mehr einhalten lässt, gibt es ein paar einfache Regeln, von denen wir uns wünschen, dass sie auch die anderen einhalten:

  • Nicht laut telefonieren, besser: gar nicht oder nur im Notfall kurz
  • Nicht herumgrölen
  • Nicht laut Musik hören, besser: nur mit Kopfhörer bei normaler Lautstärke
  • Tägliche Körperpflege
  • Keine verschwitzte oder übel riechende Kleidung
  • Essen vermeiden, das stark riecht, besser: gar nicht essen

Handeln an Toleranz, Respekt, Aufmerksamkeit und Verlässlichkeit ausrichten

Schon Adolph Franz Friedrich Ludwig Freiherr Knigge hat sich viele Gedanken über das gute Zusammenleben gemacht und 1788 seine soziologische Abhandlung "Über den Umgang mit Menschen" veröffentlicht. Die Deutsche Knigge-Gesellschaft e.V. kümmert sich heute darum, dass die wesentlichen Erkenntnisse weiter für die Gesellschaft umgesetzt werden. Demnach sollten wir unser Handeln an Toleranz, Respekt, Aufmerksamkeit und Verlässlichkeit ausrichten.

Aus Bequemlichkeit andere belästigen

In Bezug aufs Bahnfahren sagt Linda Kaiser von der Deutschen Knigge-Gesellschaft: Weil unsere Zeit knapp ist und wir einige davon in Bus und Bahn verbringen, verlagern wir verschiedene Tätigkeiten des Alltags in den öffentlichen Raum wie Essen oder Telefonieren. Dabei würden wir uns Dinge herausnehmen, die für uns bequem sind, für andere aber unangenehm sein können.

"Sodass wir uns einfach viele Dinge rausnehmen, die für uns bequem sind und wir nicht darüber nachdenken, dass sie für andere unangenehm sind."
Linda Kaiser von der Deutschen Knigge-Gesellschaft

Aber was, wenn mein Sitznachbar stinkt? Ansprechen? Linda Kaiser sagt, auf keinen Fall. Dabei gibt es nur zwei Möglichkeiten: aushalten oder einen anderen Platz suchen. Ansprechen helfe in der Situation deshalb nicht weiter, weil derjenigen den Zustand im Moment nicht ändern könne.

"Nein, Sie können fremde Leute nicht auf irgendwelche Defizite hinweisen. Das geht auf gar keinen Fall."
Linda Kaiser von der Deutschen Knigge-Gesellschaft

Im Bus oder in der Straßenbahn ist Essen ohnehin nicht erlaubt, beim Zugfahren dagegen schon. Manche finden es okay, wenn das Essen nicht riecht. Aber Linda Kaiser sagt, dass es eigentlich eine Zumutung für andere ist, uns beim Essen zuzusehen, auch wenn es geruchsarm ist.

"Alles, was geruchsarm ist und nicht in irgendeiner Weise den Nachbarn beeinträchtigt, das geht natürlich. Aber es ist trotzdem nicht schön, Menschen ständig beim Essen zuschauen zu müssen, und schon gar nicht im öffentlichen Bereich."
Linda Kaiser von der Deutschen Knigge-Gesellschaft

Also denkt daran: Ein bisschen mehr Awareness beim Bahn- und Busfahren könnte uns allen helfen, dass wir es in den öffentlichen Verkehrsmitteln besser miteinander aushalten.