Natural Cycles ist eine der bekanntesten Apps zur Verhütung. Jetzt hat die britische Aufsichtsbehörde Facebook verboten, Werbung dafür zu schalten. Die Begründung: Die App sei nicht zuverlässig genug. In den USA und Deutschland wirbt die App dagegen, als Verhütungsmittel anerkannt zu sein.

Apps zur Verhütung freuen sich großer Beliebtheit. Eine der Populärsten ist Natural Cycles aus Schweden. Das Besondere: Sie funktioniert im Zusammenspiel mit einem externen Digitalthermometer, dass die Körpertemperatur der Frau unter der Zunge misst. Die Werte werden dann drahtlos an das Smartphone übermittelt. Dort wird der Menstruationskalender geführt. Die App errechnet aus der Kombination die fruchtbaren und im Verhütungssinne ungefährlichen Tage.

Andere Verhütungsmethoden deutlich zuverlässiger

Nun gab es einen herben Rückschlag für das schwedische Unternehmen: Die britische Werbeaufsichtsbehörde hat Anzeigen, die der App-Hersteller bei Facebook gebucht hatte, als irreführend gerügt und dem Unternehmen verboten, die Werbung für die App zu veröffentlichen.

Die Werbung lehte nahe, die App sei hochgenaue und eine klinisch getestete Alternative zu Geburtenkontrollmethoden. Diese Aussagen würden nach Überprüfung der Behörde nicht der Wahrheit entsprechen.

Die Behörde hat wissenschaftliche Studien analysiert und Experteneinschätzungen hinzugenommen – und kommt zu dem Schluss, die Zuverlässigkeit liegt eher deutlich unter der bei anderen Verhütungsmethoden.

Zertifizierung bezieht sich auf formale Aspekte

Zwar hat Natural Cycles die Werbeanzeigen nach den ersten Beschwerden gestoppt und wolle sie auch nicht wiederholen, allerdings ist das Unternehmen nach wie vor grundsätzlich von der Wirksamkeit der Methode überzeugt.

In den USA hat Natural Cycles vor kurzem erst eine Zulassung durch die FDA als Verhütungsmittel bekommen. Auch in Deutschland wirbt die Firma mit einer Zertifizierung durch den TÜV. Allerdings sei damit die Zuverlässigkeit keinesfalls gesichert, denn die beziehe sich auf formale Aspekte und auf das Qualitätsmanagement.

"Die TÜV-Zertifizierung bezieht sich mehr auf Formalien wie eine ordentliche technische App-Dokumentation und das Qualitätsmanagement. Die besagt ausdrücklich nichts über die Zuverlässigkeit als Verhütungsmethode."
Michael Gessat, Deutschlandfunk Nova

In Schweden gibt es seit Monaten heftige Diskussionen, nachdem dort eine Reihe von Frauen ungewollt schwanger geworden sind. Der deutsche Berufsverband der Frauenärzte betont auch, es könne derzeit keine einzige App eine Verhütung mit ausreichend hoher Zuverlässigkeit sicherstellen. Zu ebenso wenig überzeugenden Ergebnissen kommt eine Untersuchung von Stiftung Warentest, die 2017 insgesamt 23 Zyklus-Apps getestet hat.

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