Der Löffel gehört in die Tasse und nicht in die Speiseröhre. Das wissen wir, trotzdem holen Ärzte immer wieder seltsame Dinge aus den Bäuchen von Erwachsenen. Dr. Johannes Wimmer erzählt uns sein Best-of gefundener Dinge - vom Kugelschreiber bis zum Kronkorken.

Kaugummis, Kirschkerne - schlimmstenfalls eine Murmel oder Münze als Kind. Solche Dinge haben wir vielleicht mal versehentlich verschluckt. Einigen Leuten fallen hier jedoch außergewöhnlichere Dinge ein, die sich nicht auf natürlichem Wege wieder entfernen lassen. Sie landen damit dann beispielsweise bei dem Notfallmediziner Johannes Wimmer.

Besser Münzen als Plastikpiekser

Die Ärzte des Uni-Klinikums Ulm haben eine neue Richtlinie entwickelt, wie Ärzte damit umgehen sollen, wenn Erwachsene Gegenstände verschlucken. Denn es ist keinesfalls nur eine Spielerei von Kindern. Nach Schätzungen passiert es etwa 13 von 100.000 Erwachsenen. Und gefunden hat der Notfallmediziner Johannes Wimmer dabei so einiges: Kronkorken, Fingernägel, Zahnprothesen, Schrauben.

"Das sind oft einfach blöde Unfälle. Etwa so, wenn jemand mit dem Q-Tip im Ohr ans Telefon geht."
Johannes Wimmer

Oft sind das richtig blöde Unfälle: manchmal ist Alkohol im Spiel, etwa wenn der Cocktailrührer mit dem Drink hinunter geschüttet wird. Oder wir sind schlicht zu gierig, wenn der Plastikspieß mit dem Käsehäppchen im Rachen verschwindet. Plastikpiekser sind dabei durchaus gefährlich, da sie sich in Organe spießen könnten. Kompakte Gegenstände wie Münzen sind schon besser verdaulich, sie richten zumindest weniger Schaden an.

Richtig schwierig wird es erst, wenn das verschluckte Stück im Dünndarm ankommt, denn dorthin kommt der Arzt mit dem Endoskop samt Greifarm nicht mehr. Über den Rachen erreicht er maximal den Zwölffingerdarm. Auch von der anderen Seite, mit dem Koloskop, erreicht er die Windungen des Dünndarms nicht. Mit seinen zirka 1,5 Metern Reichweite ist oft nur der Dickdarm zu erwischen.

Schnell zum Arzt, Beweismittel mitnehmen

Johannes Wimmer empfiehlt daher: nicht lange überlegen, sondern schnell zum Arzt gehen. Und am besten noch ein ähnliches Objekt mitnehmen. Auf dem Röntgenbild ist nämlich oft nicht zu sehen, was sich im Inneren verbirgt. Besonders schnell entfernt werden sollten Batterien wegen der Gefahr von Brandverletzungen und Magnete, da diese Herzschrittmacher aus dem Takt bringen könnten. Oder es könnten mehrere Magnete im Körper zueinander driften und so Darmwände zerstören.

Das zur Beruhigung: die Horrorstory vom verschluckten 15cm-Cocktail-Rührstab ist eine Riesenausnahme. Und ein weiterer Trost - erfahrene Gastroentologen kriegen mit so manchem Fingerkniff noch die unmöglichsten Dinge zu fassen, sagt Johannes Wimmer: "Ich glaube, die spielen auch abends viel Playstation, um ihre Finger zu trainieren."