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Forschende der Uni Münster haben 4.100 Menschen in Deutschland, Polen und Jordanien mit Verschwörungserzählungen konfrontiert. Dabei stellten sie länderspezifische Unterschiede, aber auch Gemeinsamkeiten fest.

Verschwörungserzählungen gibt es viele. Und es gibt viele Menschen, die daran glauben oder glauben wollen. Zum Beispiel an die Erzählung, dass "die da oben" über Coronatests unsere DNA sammeln wollen.

Was für die einen skurril und absurd klingt, ist für die anderen ganz logisch. Aber warum? Was motiviert Menschen, an verschwörerische Erzählungen zu glauben und welche Rolle spielen dabei soziale, kulturelle, religiöse oder gesellschaftspolitische Hintergründe? Das haben Forschende der Uni Münster untersucht.

Verschwörungsglaube unter Berücksichtigung diverser Hintergründe

Für ihre Studie haben sie 4.100 Menschen aus Deutschland, Polen und Jordanien befragt. Die Forschenden wollten einen breiten Aufschlag machen, erläutert Studienautor Mitja Back. "Wir haben drei Länder mit möglichst diversen politischen, religiösen und kulturellen Hintergründen ausgewählt." Bisher hätten Studien zu Verschwörungsmythen immer nur auf nationaler Ebene stattgefunden.

"Eine Überlegung ist, dass der Glaube an Verschwörungstheorien auch etwas damit zu haben kann, wie religiös Länder geprägt sind. Zum anderen aber auch, wie viele Erfahrungen in der jeweiligen Region mit tatsächlichen Verschwörungen gemacht wurden.
Mitja Back, Studienautor und Professor im Fachbereich Psychologie der Uni Münster

Polen sei unter anderem deshalb interessant gewesen, weil dort besonders viele gläubige Katholiken leben, in Jordanien besonders viele Muslime – außerdem gebe es in beiden Ländern eine deutlich stärkere durchschnittliche Religiosität als in Deutschland, so Mitja Back.

Neigung zu Verschwörungsglaube im Ländervergleich unterschiedlich

Die Macher der Studie haben sich nicht angeschaut, welche Verschwörungserzählungen in den jeweiligen Ländern besonders weit verbreitet sind oder geglaubt werden. Statt dessen haben sie die generelle Neigung für Verschwörungsmythen erfasst – und zwar auf zwei verschiedene Weisen.

  • Zum einen wurde erfragt, wie sehr Personen Aussagen zustimmen, die eine allgemeine Neigung zu Verschwörungserzählungen abbilden. Etwa: "Es geschehen viele wichtige Dinge in der Welt, über die die Öffentlichkeit nie informiert wird."
  • Zum anderen wurden die befragten Menschen mit einem ganz konkreten Verschwörungs-Beispiel konfrontiert, nämlich der Theorie, dass ausländische Geheimdienste Flüchtlingsströme provozieren, um dem eigenen Land zu schaden.

Dabei sei deutlich geworden, so Studienautor Mitja Back, dass es tatsächlich Unterschiede zwischen den Ländern gibt. In Deutschland sei Verschwörungsglaube im Vergleich demnach weniger häufig als in Polen. In Jordanien sei er am höchsten.

"Zwischen den Ländern sehen wir, dass Deutschland tatsächlich im Vergleich das niedrigste Ausmaß an Verschwörungsglauben hat. Polen hat höhere Werte und Jordanien deutlich höhere."
Mitja Back, Studienautor und Professor im Fachbereich Psychologie der Uni Münster

Mitja Back leitet daraus ab, dass sowohl das Ausmaß der Religiosität als auch die bisherigen Erfahrungen mit Verschwörung, die vor allem im Nahen Osten gemacht worden seien, hier eine Rolle spielen.

Verschwörungserzählungen geben Sicherheit und soziale Zugehörigkeit

Außerdem habe sich gezeigt, dass weniger gebildete und ältere Personen, sowie Personen mit autoritären Vorstellungen und Personen, die emotional instabiler sind, mehr an Verschwörungserzählungen glauben. Und wichtig sei es laut Mitja Back zu verstehen, was die Grundmotive dafür sind, warum Menschen an Verschwörungserzählungen glauben. Erst dann könnten Strategien entwickelt werden, was man dagegen tun kann.

Seiner Meinung nach gibt der Glaube an Verschwörung Menschen Sicherheit und auch ein soziales Netzwerk. Wer also etwas gegen Verschwörungserzählungen tun wolle, sollte sich zunächst überlegen, wie den Menschen Sicherheit vermittelt werden könne, genauso wie soziale Zugehörigkeit.