Wer kennt in diesen Corona-Zeiten nicht jemanden in der Verwandtschaft, unter Kollegen oder Bekannten, der Verschwörungsmythen verbreitet. Vielleicht unwissend, vielleicht bewusst. Christopher Klein weiß, wie er hineingeraten ist und kennt heute einen Ausweg.

Es wäre zu einfach zu sagen, Menschen die Verschwörungserzählungen glauben, seien dumm oder böse und verbreiteten Falschinformationen bewusst. Verschwörungsglaube überzeugt vor allem Menschen mit psychologischen Tricks, die sich in einer schwierigen Situation befinden. Gefährlich sind diejenigen, die mit diesen Tricks Menschen gezielt manipulieren.

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Christopher Klein hat während seines Studiums gelernt, wissenschaftlich zu arbeiten und sich mit Theorien auseinanderzusetzen. Trotzdem ging er während einer Krise vor ein paar Jahren Verschwörungsmythen auf den Leim. Im Gespräch erzählt Christopher Klein, wie er da langsam hineinschlitterte und wie seine Situation damals war.

"Das war eine Zeit, in der ich nach Antworten gesucht habe. Und die wurden mir geliefert."
Christopher Klein glaubte an Verschwörungsmythen

Vielen dieser Verschwörungsmythen ist ein Punkt gemein: Es gibt immer eine Macht oder Elite, die für alles Mögliche verantwortlich gemacht wird. Damit wurde bei Christopher Klein eine Wut getriggert, die ihn aus seiner Krise und Passivität zunächst herausgerissen hat, erklärt er.

Mit dem Verschwörungsglaube kam die Isolation

Gleichzeitig hatte er aber auch das Gefühl, dass er in eine Welt hineingezogen wird, die sehr düster ist, erzählt Christoph. Er hat über Facebook seinen Verschwörungsglauben verbreitet. Freunde hätte sich immer mehr zurückgezogen, seine Posts nicht mehr gelikt. Er fühlte sich isoliert. Manche hätte auch nachgefragt, was mit ihm los sei.

"Wenn ich das aus heutiger Sicht betrachte, ist das eine Art Wahn."
Christopher Klein glaubte an Verschwörungsmythen

2015 begann Christopher Klein dann zu erkennen, dass sich hinter den Verschwörungserzählungen rechtsextreme Menschen oder Gruppen verbergen. Nachdem immer mehr Geflüchtete in Deutschland ankamen, wurde in seinen Social-Media-Kanälen offen gehetzt. "Das ging mir gegen den Strich," erklärt er den Beginn seines Wandels. Die Zweifel an dem, was er bisher glaubte und verbreitete, begannen in ihm stärker zu werden.

Menschen, die Brücken bauen

Gut für ihn war, dass bis dahin seine Freundin und ein paar Freunde zu ihm gehalten hatten, und in dieser Phase des Zweifelns intensiv mit ihm diskutierten. Vor allem seine Freundin habe versucht, ihm immer wieder Brücken zu bauen, ihn in die Natur zu locken und in die Realität zurückzuholen.

"Wichtig war, dass meine Freundin gesehen hat, dass hinter meinem Handeln keine böse Intension steckt."
Christopher Klein glaubte an Verschwörungsmythen

Um wieder in die wirkliche Welt zurückzukehren, löschte Christopher Klein seinen Feed auf Facebook komplett und blieb einige Wochen abstinent.

Menschen, die heute versuchen, andere von Verschwörungserzählungen rund um die Coronavirus-Pandemie abzubringen, rät Christopher Klein, die Verschwörungsgläubigen nicht vorzuverurteilen, sondern zunächst von der guten Intension des anderen auszugehen. Man sollte sich nicht auf Details dieser Behauptungen und Erzählungen einlassen, weil das meist nicht zu einem Ziel führe. Er rät zu einer Art Vogelperspektive, aus der man ruhig und besonnen versucht, die Vernunft des anderen anzusprechen.