Faszinierende Technik, aber Milliardenflop: das ist der Transrapid. Jetzt wird eine der Magnetschwebebahnen versteigert. Fleischwarenfabrikant Wolfgang Kühnl bietet mit - aus Familientradition und weil sich bodenständige Fleischwarenherstellung und Hochtechnologie nicht wirklich ausschließen.

Ihr könnt bis heute (25.10.) 13 Uhr noch mitbieten. Das Verkehrsministerium will den Transrapid Typ TR 09 loswerden. Ihr braucht aber eine gute Abstellmöglichkeit, denn das Ding wiegt 160 Tonnen und ist 70 Meter lang. Mitbieten wird auch Wolfgang Kühnl, Geschäftsführer der Firma Kemper. Sein Urgroßvater Hermann Kemper gilt als Erfinder der Magnetschwebetechnik - und zugleich war er Spross des Fleischwarenfabrikanten Kemper.

Der erste Teststand stand in der Fleischfabrik

1934 meldete Urgroßvater Hermann das Patent für die Magnetschwebetechnik an. Er hatte Elektrotechnik studiert und an ersten Ideen herumgebastelt. Dann entschied sich der Tüftler, doch in die Fleischwarenfabrik seines Vaters einzusteigen. Denn die eigenen Erfindungen endlich auch in die Praxis umzusetzen, kostete Geld. Die ersten Teststände für die Magnetschwebebahn waren in der Werkstatt der Firma aufgestellt, sagt Wolfgang Kühnl.

Innenansicht Transrapid bei einer Testfahrt (2010). Mit an Bord ist unter anderem der damalige Bundesverkehrsminister Ramsauer.
© Imago | Christian Thiel
Bei einer Testfahrt 2010 zeigte sich der damalig Bundesverkehrsminister Ramsauer beeindruckt. Doch der Transrapid blieb ein Milliardenflop. In Deutschland fuhr die Magnetschwebebahn immer nur auf Teststrecken. Nur in China, zwischen Shanghai und dem Flughafen Pudong, fährt der Transrapid nicht nur zum Test.

Auf dem Firmengelände soll jetzt der ausrangierte Transrapid seinen Platz finden. Damit soll sich der Kreis schließen, so Kühnl. Die Firma will in den Transrapid Schulungs- und Konferenzräume integrieren. Ein kleiner Teil der Bahn soll für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Genug Platz ist ja im Transrapid.

Aber die Sache ist noch nicht entschieden, es gibt noch mehr Bieter. Verschrotter steigern mit, ebenso haben kleinere Museen in Deutschland Interesse angemeldet. Über den Zuschlag entscheidet das Höchstgebot - mit wenigen Einschränkungen. Denn der Transrapid soll zum Beispiel nicht ins Ausland gehen. Die endgültige Entscheidung liegt beim Verkehrsministerium.