Wer früh einen Elternteil verliert, kann ein Leben lang davon geprägt sein. Das ist auch bei den Schimpansen so. Forschende haben jetzt herausgefunden, dass männliche Schimpansen, die ohne ihre Mutter aufwachsen, später Nachteile im Leben haben.

Männliche Schimpansen, die nur sehr kurz oder sogar ganz ohne ihre Mutter aufwachsen, bekommen später weniger eigene Nachkommen und können sich zudem schlechter gegen Kontrahenten durchsetzen als Schimpansen, die mit Mutter aufgewachsen sind. Das haben Forschende des Max-Planck-Institutes für evolutionäre Anthropologie in Leipzig zusammen mit dem Schimpansen-Projekt im Taï-Nationalpark in der Elfenbeinküste herausgefunden.

"Die verwaisten Schimpansen bekommen selbst später weniger eigene Nachkommen als Schimpansen, deren Mütter nicht früh gestorben sind."
Meike Rosenplänter, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Dafür haben die Forschenden Daten von drei Schimpansen-Gemeinschaften ausgewertet. Die Tiere wurden dafür über 30 Jahre lang beobachtet und es wurden Kotproben gesammelt, um bei allen Schimpansenbabys Vaterschaftstests durchführen zu können, um so herauszufinden, wer mit wem verwandt ist.

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Schimpansen-Mutter als Lehrerin

Woran es genau liegt, dass sich männliche Schimpansen ohne Mutter im Leben schwerer tun, konnten die Forschenden bisher nur vermuten. Fest steht: Viele Schimpansen sind bis ins zwölfte Lebensjahr, also dem Jahr, in dem sie in die Pubertät kommen, mit ihrer Mutter zusammen.

Die Forschenden gehen davon aus, dass Jungtiere, die die vollen zwölf Jahre mit ihrer Mutter verbringen, deutlich mehr Gelegenheiten haben, ihre Mutter in Situationen zu beobachten und von ihr zu lernen.

"Jungtiere, die die vollen zwölf Jahre bei ihrer Mutter sind, haben viel mehr Gelegenheiten, ihre Mutter in Alltagssituationen zu beobachten und daraus zu lernen."
Meike Rosenplänter, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Laut den Forschenden kann ihnen das vor allem bei der Nahrungssuche enorm helfen. Auch wenn der Nachwuchs meist bereits ab dem vierten oder fünften Lebensjahr selbst auf Nahrungssuche geht, können sie trotzdem von ihrer Mutter lernen, wo diese ihre Nahrung findet. Denn Schimpansen-Mütter wüssten immer, wo es die beste Nahrung gibt.

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Gleichzeitig könnten sie von ihren Müttern lernen, wie sie bestimmte Werkzeuge einsetzen, um an schwer zugängliche Nahrung zu kommen. Junge Schimpansen, die sich nichts von ihrer Mutter abschauen können, hätten deshalb später im Leben größere Schwierigkeiten, eigene Nahrung zu finden und würden sich damit allgemein schwerer tun, vermuten die Forschenden.

Fehlende Sozialkompetenz

Eine weitere Überlegung: Mütter geben auch soziale Fähigkeiten an ihre Schimpansen-Jungen weiter. Denn ähnlich wie bei uns Menschen leben auch Schimpasen in einem komplexen sozialen Umfeld, Allianzen müssen geschmiedet werden und es gibt Wettbewerbe innerhalb einer Gemeinschaft. Jungtiere könnten auch hier durch das Beobachten ihrer Mutter lernen, in welchen Situationen es sinnvoller ist, eine Allianz einzugehen und in welchen sie besser kämpfen sollten.