In Videokonferenzen ist die non-verbale Kommunikation stark eingeschränkt. Dozierende vom University College London haben sich deswegen ein System überlegt, wie wir uns besser über den Bildschirm verständigen können.

Der eine gähnt, die andere blickt starr in die Kamera und der nächste lässt die Schultern hängen: In Videokonferenzen kann unser Gegenüber unsere Körpersprache und andere non-verbale Signale nur schwer deuten. Vielmehr kann ein zustimmendes Nicken im Kachelmeer untergehen, je mehr Personen an der Videoschalte teilnehmen.

Das ausdruckslose vor dem Bildschirm Sitzen kann Videomeetings ganz schön anstrengenden machen, fanden Psychologinnen und Psychologen vom University College London (UCL). Für ihre Online-Seminare haben sie daher 25 Handgesten eingeführt, mit denen sich Gruppen besser verständigen können, ohne durcheinanderzureden.

Arm hoch als Signal der Zustimmung

Danach signalisiert ein angewinkelter rechter Arm, bei dem die Hand nach oben zeigt und die Finger ausgestreckt sind, den anderen Teilnehmenden Zustimmung für das Gesagte. Bewegen sie ihre Hand mit gestreckten Fingern weg vom Kinn, bedanken sie sich bei einander.

Die Geste "Time Out", bei der beide Hände den Buchstaben T formen, zeigen dem Vortragenden oder der Vortragenden wiederum, dass sie zum Ende kommen sollte. Drehen die Zuhörenden die Hände umeinander, machen sie die sprechende Person ähnlich darauf aufmerksam, auf den Punkt zu kommen.

"Der Prof, der sich das ausgedacht hat, ist Rettungsschwimmer und hat sich von diesen Winkzeichen was abgeguckt."
Kathrin Baumhöfer, Deutschlandfunk Nova

Um herauszufinden, ob die Handgesten für Online-Seminare funktionieren, haben die Dozierenden mehr als 100 Studierende in zwei Gruppen eingeteilt: Eine Gruppe hat bei der Videokonferenz die non-verbalen Signale ausprobiert, die andere nicht. Nach jeweils zwei Seminaren sollten sie ihr Feedback in einem Fragebogen abgeben.

Gesten sorgen für mehr Spaß

Das Ergebnis: Für die Studierenden in den Online-Kursen mit den Handgesten haben die Seminare an Qualität gewonnen. Sie haben stärker ein Gruppengefühl wahrgenommen und die Handgesten haben ihnen geholfen, ihre Fragen einzubringen. Allgemein habe ihnen das Online-Seminar mit den Handsignalen mehr Spaß gemacht.

Das Experiment der Londoner Psychologinnen und Psychologen sollte allerdings vielmehr als Anregung für Online-Kurse gesehen werden, als eine Studie, die aussagekräftige Erkenntnisse liefert.