Stellenanzeigen versprechen oft das Gleiche: angemessene Bezahlung und einen attraktiven Arbeitsplatz. Doch junge Arbeitssuchende interessieren sich mittlerweile für andere Parameter. Das haben auch einige Unternehmen erkannt und werben deshalb nicht nur mit anderen Inhalten, sondern auch auf anderen Plattformen.

"Du bist teamfähig?" "Du suchst einen Job mit toller Bezahlung und attraktiven Arbeitsbedingungen?" Die meisten Stellenanzeigen klingen alle ähnlich, suchen ähnliche Menschen, versprechen ähnliche Arbeitsbedingungen. Bewerbungsexperte Tobias Jost findet allerdings, dass die Zeit dieser Stellenanzeigen vorbei ist. Wir sind in einer Wettbewerbsgesellschaft aufgewachsen, sagt der 30-Jährige, darum schmücken sich Anzeigen mit Superlativen. Doch die Angesprochenen interessiere das nicht.

"Wir sind in einer Wettbewerbsgesellschaft aufgewachsen. Deshalb schmücken wir uns häufig auch in den Stellenanzeigen damit: 'Wir sind die größten und tollsten und wir können das. Bitte fangt bei uns an!' Das interessiert die jungen Leute nicht."
Tobias Jost, Bewerbungsexperte
Aus seiner Zeit in Amerika kennt er ein ganz anderes Mindset, das sich auch bei uns immer mehr verbreitet: Stichwort "New Work". Hinter diesem Schlagwort verbirgt sich die Suche nach dem Sinn in der Arbeit, die Frage nach dem "Warum". Damit einhergehen Bedingungen wie flexible Arbeitszeiten, Homeoffice und das Verwischen zwischen Privatem und Arbeit.

Und genau dieses Verwischen führt auch dazu, dass sich nicht nur immer mehr Menschen mit ihren privaten Instagram-Accounts beim zukünftigen Arbeitgeber bewerben, sondern auch Unternehmen auf verschiedenen Social-Media-Plattformen für neue Jobs werben.

Stellenanzeigen zum Anhören

Dazu gehört auch eine neue Transparenz. Denn nicht jeder Job macht die ganze Zeit nur Spaß und das sollten Unternehmen auch vermitteln, um glaubwürdig rüberzukommen, sagt Alex Grossmann. Er hat die Plattform Ohrbeit.de gegründet, bei der Unternehmen sich in einem "Jobcast" potenziellen Fach- und Führungskräften vorstellen können – quasi eine Stellenanzeige als kurzer Podcast.
"Nicht jeder Job ist Hundertprozent rosig die ganze Zeit. Und wenn man das ausdrückt, schafft das Glaubwürdigkeit. In einem Audio ist das ganze viel leichter, denn dort reden ja die Menschen, wie sie wirklich reden."
Alex Grossmann, Gründer von Ohrbeit.de

Alex Grossmann ist der Überzeugung, dass durch die "Jobcasts" besser rüberkomme, wie die neuen Arbeitgeber ticken, aber auch, wie sie technisch, fachlich oder methodisch arbeiten. Etwas, das bei einer klassischen Stellenanzeige nicht vermittelt werde, sagt er.

Leichtere Bewerbungsverfahren

Dazu kommt ein entschlackter Bewerbungsprozess. Menschen, die durch den "Jobcast" an einer Stelle interessiert sind, können unter dem Audio auf den Button "Interesse zeigen" klicken, ihre Mailadresse angeben und werden dann von den Arbeitgeber*innen kontaktiert – kein Lebenslauf, kein Anschreiben.

Sascha Mosser, Head of Recruiting bei Miele, besetzt seit einem Jahr offene Stellen mit den Anzeigen zum Anhören. Die ersten sechs Monate war er etwas enttäuscht über die geringen Hörer*innenzahlen, allerdings habe sich das mittlerweile geändert. Immer mehr Bewerberinnen und Bewerber sprechen ihn darauf an, dass gerade die kreative Stellenanzeige ein Auslöser für ihre Bewerbung gewesen sei, berichtet er.

Instagram als Jobbörse

Neben Stellenanzeigen im Podcast-Format, wird auch das Video eine beliebtere Form. Katrin Puvogel vom Unternehmen "folgerichtig" hilft Unternehmen, ihren Social-Media-Auftritt zu verbessern – vor allem über Instagram. Für ihr eigenes Unternehmen suche sie oft unter ihren eigenen 50.000 Followern nach Nachwuchs.

"Wir haben fast 50.000 Follower bei Instagram und die Erfahrung gemacht, dass wir viele Leute darunter haben, die super gut in unser Unternehmen passen. Und wir haben bisher jede Person, die wir eingestellt haben, aus dieser Community gezogen und das hat sich total bewährt."
Katrin Puvogel, berät Firmen mit dem Unternehmen "folgerichtig" auf Instagram

Ihr Bewerbungsprozess läuft deshalb so ab: Auf einer Landingpage wird eine Stellenanzeige online gestellt, die dann über Instagram gepostet wird. Hierüber erhalten sie dann auch die meisten Bewerbungen.

Eine Instagram-Story als Arbeitsprobe

Als Arbeitsprobe verlangt Katrin immer eine Instagram-Story. Dabei geht es ihr vor allem um das Konzept hinter der Story. Zudem könne sie so gleich das technische Know-how der Bewerber*innen ableiten und ob der "cultural fit" da ist. Das bedeutet, wie gut Arbeitsuchende und Arbeitgebende in Bezug auf Handlungsweisen und Wertvorstellungen zusammenpassen.

Klassische schriftliche Unterlangen fordert Katrin Puvogel dennoch. Ihrer Meinung nach zeigten diese vor allem einen Einblick in die formalen Skills: Rechtschreibung oder auch das Verfassen einer Mail.

Auf inklusive Bewerbungsverfahren achten

Der Jurist Jochen Kuschert rät ebenfalls dazu, das Bewerbungsverfahren breit aufzustellen. So hätten alle Menschen die Möglichkeit, sich über die passende Plattform bewerben zu können – auch diejenigen, die in den sozialen Medien nicht unterwegs sind.

"Wenn das die einzige Möglichkeit ist, für einen Bewerber an Stellen ranzukommen, dann wird es problematisch. Man sollte als Alternative immer noch die Möglichkeit eröffnen, sich auf herkömmlichen Wegen zu bewerben."
Jochen Kuschert, Jurist

Keine lange Jobsuche mehr

In Zukunft wird es also für Arbeitssuchende mehr Möglichkeiten geben, sich für einen Job zu bewerben. Und: Man müsse künftig nicht mehr so lange nach einem passenden Job suchen, prognostiziert Alexander Grossmann von Ohrbeit. Zum Beispiel, weil auch Stellenanzeigen – so wie Werbung – in den sozialen Medien personalisiert werden können. Sein Unternehmen fängt nun auch an, auf Spotify Stellenanzeigen nach den Interessen der Podcast-Hörer*innen auszuspielen, um sie gezielter zu erreichen.