Wer für eine international tätige Firma arbeitet, hat in den letzten Jahren vielleicht viele Flugstunden hinter sich gebracht. Mit der Virtual Reality-Technologie könnte sich das in Zukunft ändern. In Deutschland ist sie jedoch nur langsam im Kommen.

Im vergangenen Jahr haben laut einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom 12 Prozent der Firmen Virtual-Reality-Anwendungen genutzt. Weitere 20 Prozent haben angegeben, dass sie den Einsatz bereits geplant oder zumindest diskutiert haben. Durch die Corona-Krise wurde dieser Trend zudem verstärkt, sagt VR-Experte Matthias Bastian vom Branchenportal Mixed.

"Ich denke, dass Corona hier auf jeden Fall nochmal so ein Booster war, der dieser ganzen Industrie ein bisschen Schwung verliehen hat."
Matthias Bastian, VR-Experte beim Branchenportal Mixed

Der Aufschwung sei aber nicht mit den Wachstumszahlen der Videokonferenz-Anbieter zu vergleichen, sagt Matthias Bastian weiter. Das kommt auch daher, dass sich Virtual Reality für ganz normale Meetings nur bedingt eignet.

Virtuelles Meeting

Die Nutzung von Virtual Reality bietet sich beispielsweise bei der 3D-Betrachtung von Dingen mit mehreren Personen an, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Katja Scherer. So zum Beispiel, wenn zwei Entwicklerinnen eine Maschine oder Architekten ein Gebäude designen wollen. Per Virtual Reality-Brille können sich diese in einem virtuellen Raum treffen und dort zusammen um die lebensgroße Maschine herumlaufen.

"Vorteile hat VR immer dann, wenn es darum geht, Dinge mit mehreren Personen in 3D anzuschauen. Dann können sie sich per VR-Brille in einem virtuellen Raum treffen und dort wirklich zusammen um die Maschine in Lebensgröße herumlaufen."
Katja Scherer, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

VR ist praktisch, wenn es darum geht, Objekte zusammen mit mehreren Personen in 3D anzuschauen. Dann können sie sich per VR-Brille in einem virtuellen Raum treffen und dort zum Beispiel gemeinsam eine Maschine anschauen. Der größte Vorteil: Der Ort der Teilnehmenden spielt dabei keine Rolle.

Schulung und Vorbereitung von Angestellten

Auch für die Schulung von Angestellten eignet sich das Virtual Reality-Konzept. Katja Scherer hat beispielsweise eine Schulung bei der Kölner VR-Agentur "World of VR" getestet, die für Mitarbeitende eines Energieversorgers entwickelt wurde. Dabei konnte sie sich in einem virtuellen Raum verschiedene Trainings aussuchen. Auf einer Baustelle konnte sie lernen, wie sie ihre Arbeitskleidung am besten anzulegen hat und welche Werkzeuge wann und wie gebraucht werden.

"Durch die VR-Brille stand ich quasi in einem virtuellen Raum und hab auf einer Art Pult mein Training ausgewählt. Und dann wurde ich auf eine Baustelle gebeamt."
Katja Scherer, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Besonders hilfreich kann diese Technik sein, wenn es darum geht, Mitarbeiter zu schulen, wie sie Anlagen warten, die auf einem anderen Kontinent stehen oder sehr gefährlich sind. Starkstrom-Anlagen zum Beispiel. Timon Vielhaber, der Chef der World of VR, sagt, dass man sich auf solche Arbeiten nicht immer realitätsnah vorbereiten kann. Deswegen können sie lebensgefährlich werden, wenn man sich als Angestellte vorher nicht ausreichend damit beschäftigt hat, sagt Timon Vielhaber.

"Da geht‘s halt um lebensgefährliche Situationen potentiell, wenn man nicht gut vorbereitet ist. Und um die Mitarbeiter besser zu schulen und denen mehr Sicherheit zu geben, haben wir halt diesen Case entwickelt."
Timon Vielhaber, Chef der World of VR

Zu aufwendig für herkömmliche Videokonferenzen

Auch für Videokonferenzen gibt es eine VR-Software. Hier wählen die Teilnehmenden für das Meeting einen Avatar aus und können mit diesem beispielsweise auch Dinge an einem virtuellen Whiteboard zeigen. Matthias Bastian von Mixed findet diesen Aufwand bei einem ganz normales Meeting, in dem man sich nur kurz auf den neuesten Stand bringt, allerdings zu groß.

"Jetzt so für so ganz herkömmliche Meetings, wo wir uns einfach nur gegenseitig anrufen, um einen Projektstand zu besprechen oder so, da wäre es halt viel zu kompliziert, da jedes Mal die Brille aufzusetzen."
Matthias Bastian über Virtual Reality in herkömmlichen Meetings

Es ist auch eine Kostenfrage, denn eine VR-Brille kostet derzeit noch bis zu fünfhundert Euro, sagt Katja Scherer. Ein weiteres Problem: Bisherige Avatare können keine richtige Mimik abbilden. Ein authentischer Austausch über VR funktioniert in Meetings also noch nicht.

Zukünftig häufigere Nutzung

Generell geht Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Katja Scherer davon aus, dass die Virtual Reality-Technologie in Zukunft häufiger genutzt werden könnte, vor allem, da sie dazu beitragen kann, Fahrtwege einzusparen. Zudem ist klar, dass die Ausrüstung in den kommenden Jahren definitiv noch handlicher und günstiger werden wird.

"Klar ist, dass die Technologie auf jeden Fall noch handlicher, günstiger und besser wird."
Katja Scherer, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Für Handwerker, die ihren Kunden zeigen wollen, wie zukünftige Fliesen aussehen oder Unternehmen, die ihren Käufern am anderen Ende der Welt, die Produkte präsentieren wollen, ist die neue Technologie vielversprechend, sagt Katja Scherer.