Viele von uns sind gerade im Wintertief: Es ist grau, nass und kalt – außerdem sind viele ständig müde, sehen blass und ungesund aus. Wir haben nachgehorcht, ob es da erlaubt ist, im Solarium ein bisschen Sonne zu tanken.

Werbesprüche wie "Hol dir deinen Vitamin-D-Kick" oder "Bei uns scheint jeden Tag die Sonne" klingen nach der perfekten Lösung gegen den Winterblues.

Karla hat uns erzählt, dass sie das vor ein paar Jahren im Winter, als sie noch Studentin war, auch ausprobiert hat. Weil ihr Bekannte dazu geraten haben: Die Sonnenbank sei gut gegen schlechte Laune bei schlechtem Wetter. Bei Karla hat es aber nicht funktioniert, sie fühlte sich danach weder brauner noch glücklicher, sagt sie.

"Ich war zu dem Zeitpunkt noch Studentin. Zehn Minuten haben irgendwie zehn Euro gekostet und ich war weder brauner noch glücklicher."
Karla über ihren Solariumsbesuch

Der Hautarzt Eckhard Breitbart, Leiter der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention, rät vom Solariumbesuch ab. Dass wir uns danach glücklicher fühlen, sei "definitiv ein vollständiger Mythos".

Solarium schädigt Hautzellen

Das Solarium sei nie eine gute Idee für den eigenen Körper, auch nicht mal eben kurz im Winter. Denn UV-Strahlung im Solarium sei extrem ungesund – sie schädige nämlich die DNA in unseren Hautzellen, so der Hautarzt.

"In wenigen Sekunden sind in jeder Zelle mehrere hunderttausend DNA-Schäden entstanden. Das geht ganz ganz fix."
Eckhard Breitbart, Hautarzt und Leiter der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention

Direkt nach dem Sonnenbankbesuch fühlt sich die Haut oft ganz prickelnd an – man könne quasi spüren, wie die DNA in unseren Hautzellen kaputt geht, sagt Eckhard Breitbart. Je häufiger wir ins Solarium gehen, desto schlimmer werde das für unseren Körper: Wer regelmäßig einmal im Monat ins Solarium geht, bevor sie oder er 35 ist, habe ein deutlich höheres Risiko, Hautkrebs zu bekommen.

Und die Stimmung?

Um den Winterblues loszuwerden, solltet ihr euch also lieber andere Beschäftigungen suchen, als ins Solarium zu gehen. Es ist zwar nachgewiesen, dass wir nach dem Besuch auf der Sonnenbank eine geringe Menge Vitamin D bilden – doch es gibt keine Hinweise, dass Vitamin D unsere Gefühlslage beeinflusst. Dass wir müde sind und uns im Winter oft nicht so gut fühlen, liegt unter anderem daran, dass unser Körper in der dunklen Jahreszeit eine größere Menge des Schlafhormons Melatonin produziert. Was uns im Winter fehlt, sind also Wärme und Licht.

Dass das Solarium den Körper wärmt, ist unbestritten. Wegen der beschriebenen Nebenwirkungen solltet ihr da aber vielleicht auf andere Möglichkeiten der Aufwärmung setzen. Und das mit dem Licht könnt ihr easy faken – mit einer Tageslichtlampe. Diese kommt ohne gefährliche UV-Strahlen aus, sagt Eckhard Breitbart.

Mehr als nur Winterblues? Lass dir helfen!

Bestimmte Dinge beschäftigen dich im Moment sehr? Du hast das Gefühl, in einer Situation zu stecken, die du nicht alleine klären kannst? Du weißt nicht mehr, wie es weitergehen soll? Hier findest du einige anonyme Beratungs- und Seelsorge-Angebote..

Shownotes
Sonne to go?
Hautarzt: Solarium keine gute Lösung gegen Winterblues
vom 19. Januar 2023
Autorin: 
Celine Wegert, Deutschlandfunk Nova