Volkswagen könnte bis zu 100.000 Stellen weltweit abbauen. Ausbildungsplätze inklusive. Es kriselt aber nicht allein bei VW, sondern in der Branche insgesamt. Wirtschaftsjournalist Nicolas Lieven über die Gründe und ein paar Lichtblicke.

Die großen Autohersteller schreiben noch Gewinne. Das stimmt, sagt der Wirtschaftsjournalist Nicolas Lieven. "Aber diese Gewinne sind eingebrochen. Sie haben sich teils halbiert in den vergangenen Jahren." Denn insgesamt werden deutlich weniger Pkws verkauft, auch wenn die Verkaufszahlen leicht steigen.

"Die Autohersteller haben in der Folge zu viele, zu große Fabriken."
Nicolas Lieven, Wirtschaftsjournalist

Volkswagen kündigte an, bis zu 100.000 Stellen weltweit zu kürzen. Mehrere Werke könnten geschlossen werden. Der Konzern baut nach eigenen Aussagen zurzeit 500.000 Autos im Jahr zu viel. Aber es trifft nicht allein VW. Absatzprobleme und harte Sparprogramme erfassen auch die anderen deutschen Autobauer.

Krisen, Zölle und Konkurrenz aus China

Es gibt verschiedene Gründe für die sinkenden Verkaufszahlen, so Nicolas Lieven. US-Präsident Trump und die Zölle sind einer. Die Krisen und Kriege kommen hinzu. Und: China ist ein starker Konkurrent.

"China ist in der Zwischenzeit kein Absatzmarkt mehr, sondern ist ein Konkurrent geworden."
Nicolas Lieven, Wirtschaftsjournalist

In China konkurrieren viele Autohersteller miteinander und bieten sich einen ruinösen Preiskampf, sagt Nicolas Lieven. "Da können die Deutschen kaum noch mithalten. Wenn überhaupt, dann nur wenn sie Kooperationen eingehen", sagt Nicolas Lieven.

Gerade im Bereich E-Autos sind Chinas Autobauer ein starker Wettbewerb. In Deutschland werden zurzeit mehr E-Autos verkauft. Die Spritpreise sind hoch, außerdem gibt es staatliche Kaufprämien. Dennoch: In anderen Ländern wird viel mehr elektrisch gefahren, sagt Nicolas Lieven. In Deutschland habe man lange am Verbrennermotor festgehalten.

E-Autos: Deutsche Hersteller zogen verspätet nach

Immerhin: Die deutschen Autohersteller haben in Sachen E-Autos und Technik aufgeholt, so der Wirtschaftsjournalist. Hoffnung macht ihm auch, dass aktuell verhältnismäßig günstige E-Autos aus Deutschland auf den Markt kommen. Um die 25.000 Euro, ab 2027 soll es E-Autos auch ab 20.000 Euro geben. "Immer noch viel Geld. Aber im Verhältnis schon relativ günstig."

Die Konzerne schreiben im Moment noch Gewinne, das sei wichtig. Teils verfügten sie über große Finanzpolster. Außerdem seien die Arbeitnehmer*innen sehr gut ausgebildet.

Doch es bleibt krisenhaft: Deutsche Autobauer produzieren mehr im europäischen Ausland. In Deutschland werden wohl weniger Autos produziert werden. Vielleicht lassen sich Werke umwidmen in Rüstungsbetriebe, so Nicolas Lieven. "Auch wenn das nicht jedem gefällt."

Die Krise für die Autoproduktion in Deutschland ist wohl kaum vorübergehend.

Shownotes
Deutsche Autobranche
Nicht allein VW steckt in der Krise
vom 27. Juni 2026
Moderator: 
Justus Wolters
Gesprächspartner: 
Nicolas Lieven, Wirtschaftsjournalist