Viele Waldflächen sind nach zwei extrem trockenen Jahren in keinem guten Zustand. Für die Buche wird es kritisch, sagt der Waldbrandschutzbeauftragte Raimund Engel. Nur für Mischwälder sieht er eine sichere Zukunft.

Die Wälder Brandenburgs waren in den Jahren 2018 und 2019 extremen Bedingungen ausgesetzt. So etwas hätte er bislang noch nicht erlebt, sagt Raimund Engel. Er ist Waldbrandschutzbeauftragter des Bundeslandes. Wir haben mit ihm über den Zustand der Wälder und den Brandschutz gesprochen. 2018 waren 512 Waldbrände zu verzeichnen, bisher sind es 412 im Jahr 2019 (Stand 28.09.2019). Auch im September gibt es dort noch Brände. Raimund Engel geht inzwischen davon aus, dass auch der September noch zur Waldbrandsaison gehört. Größtes Problem sei die Trockenheit.

"Wieder ein Extremjahr. Zwei Trockenjahre hintereinander, diese Trockenheit ist so tief, dass die Pflanzen kaum mehr die Feuchtigkeit kriegen, die sie brauchen und dann sind die Bestände anfällig für Krankheiten."
Raimund Engel, Waldbrandschutzbeauftragter, Landesbetrieb Forst Brandenburg

Verschiedene Insekten setzen den Waldbeständen zu. Bei der Fichte der Borkenkäfer, bei der Kiefer verschiedene Schmetterlingsarten. Raimund Engel nennt die Nonne und den Kiefernspinner. Außerdem schädigen Pilze die Bäume. Nach den Bränden in Treuenbrietzen auf fast 400 Hektar ist eine große Kahlfläche zurückgeblieben. Dort hat Raimund Engel beobachtet, dass momentan schnell wachsende Baumarten wie Pappel, Weide und Robinie nachkommen. Zum Brandschutz müssten große Waldgebiete gut erschlossen sein, sagt Raimund Engel.

"Wir brauchen Wege, die so stabil sind, dass die Feuerwehrfahrzeuge auch fahren können. Dann gehören auch Schneisen dazu."
Raimund Engel, Waldbrandschutzbeauftragter, Landesbetrieb Forst Brandenburg

Insbesondere in den großen Gebieten, auf ehemaligen Truppenübungsplätzen, die vielleicht auch noch Kampfmittel aufweisen, da gehöre es sich, dass Sicherungsstreifen, so genannte Brandschutzschneisen am Rand angelegt werden. Dazu gehören auch mal 50 Meter breite Streifen, ohne Baumbestand, sagt Raimund Engel. Sie sollen das Überspringen des Waldbrandes aus dem Kernbereich verhindern.

Wasser zum Löschen

In einer Zeit mit immer geringeren Niederschlagsmengen sei es schwierig, an Löschwasser zu kommen. Zur Brandbekämpfung müsse auch eine ausreichende Wasserförderung mit Brunnen sichergestellt sein.

"Wir brauchen Löschwasser. Wir brauchen Tiefbrunnen vielerorts, oder unterirdische Wasserbehälter."
Raimund Engel, Waldbrandschutzbeauftragter, Landesbetrieb Forst Brandenburg

Ein weiteres Problem sieht Raimund Engel in der recht dünnen Personaldecke in der Forstwirtschaft. Allein durch Altersabgänge seien in den vergangenen Jahren Lücken entstanden. Dort, wo Personal eingespart worden sei, gelte es, diese Entwicklung wieder rückgängig zu machen.

"Wald braucht Waldpflege und dafür braucht es Förster, Waldarbeiter und an anderer Stelle Leute, die die Pflanzen anziehen, Unternehmer, die das machen."
Raimund Engel, Waldbrandschutzbeauftragter, Landesbetrieb Forst Brandenburg

Auch wenn 2020 wieder ein extrem trockenes Jahr wird, schätzt er, dass die Kiefer das überstehen wird. Sie sei der Baum, der es am ehesten schafft. Sorge bereitet ihm allerdings die Buche.

"Da habe ich die Sorge, dass es unsere Buche noch mehr zeichnen wird. Ich glaube, dass es für diese Baumart kritisch wird."
Raimund Engel, Waldbrandschutzbeauftragter, Landesbetrieb Forst Brandenburg

Er ist davon überzeugt, dass Mischbestände der Trockenheit und extremen Umweltbedingungen besser widerstehen können. Sobald zwei Baumarten vorkommen und je mindestens 10 Prozent Flächenanteil haben, gilt dieser Wald laut Bundeswaldinventur als Mischwald.

Nur in dieser Form ließen sich unsere Wälder als ökologische und – für die Waldbesitzer – als wirtschaftliche Einheit erhalten.