In Russland will die regierungskritische Zeitung 'Nowaja Gaseta' ihre Journalisten mit Waffen ausstatten, um sie vor Angriffen zu schützen. Doch auch anderswo auf der Welt leben Journalisten gefährlich - vor allem in Regionen, in denen keine Staaten gegeneinander Krieg führen.

'Nowaja Gaseta' gehört zu den wichtigsten unabhängigen Medien Russlands. Seit ihrer Gründung wurden offenbar im Zusammenhang mit Recherchen sechs Mitarbeiter getötet. Darunter 2006 die Journalistin Anna Politkowskaja, die kritisch über die Kremlpolitik in Tschetschenien berichtete. 

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Erst kürzlich wurde die russische Radioreporterin Tatjana Felgengauer von einem Mann mit einem Messer attackiert und schwer verletzt. Bei 'Nowaja Gaseta' sieht man deshalb keinen anderen Weg mehr, als die Mitarbeiter mit Gummigeschossen zu bewaffnen. "Offenbar versagen die Schutzmechanismen in Russland aktuell", so die Einschätzung von Christian Mihr von Reporter ohne Grenzen. Die Lage habe sich in Russland verändert, sagt der Journalist.

Kennzeichnung als Journalist auch ein Risiko

Auch, wenn es in der Vergangenheit viele Morde an Journalisten gegeben habe - über 200 seit dem Jahr 2000 - die Zahl der Tötungen gehe insgesamt leicht zurück. Allerdings gäbe es aktuell eine Zunahme von Drohungen gegen Journalisten, sagt Mihr. Gefährlich für russische Journalisten sei es vor allem im Nordkaukasus. 

"Ich denke, Journalisten sollten im Prinzip keine Waffen haben und das sollte die Ausnahme bleiben. Es ist eigentlich tragisch, wenn es überhaupt so weit kommt."
Christian​ Mihr, Reporter ohne Grenzen

Gerade in Kriegsgebieten sei das Risiko für Presseleute besonders hoch, so Mihr. Die Kennzeichnung als Journalist mit kugelsicheren Westen bietet zwar ein Minimum an Schutz, zugleich kann die in manchen Regionen aber auch zum Risiko werden, sagt der Journalist: "Vor allem in solchen Konflikten, wo nicht mehr Staaten miteinander Krieg führen und das haben wir leider in vielen Regionen."

"Staaten haben sich geeinigt, dass Journalisten in Kriegen, so zynisch das klingt, einen besonderen Schutz genießen. Aber wir haben ja zunehmend zerfallende Staaten."
Christian​ Mihr, Reporter ohne Grenzen

In den Konflikten in Syrien und Irak, in Somalia, in Afghanistan aber auch bei den Drogenkriegen in Mexiko könne eine Kennzeichnung als Journalist ein Risiko bedeuten, sagt Mihr: "In manchen Gebieten wie Mexiko gibt es eine ganz starke Solidarität und auch Notfallketten zwischen den Journalisten, damit sie sich selber helfen können." 

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Manchmal würden die Reporter ohne Grenzen Hilfe leisten, wenn Leute das Land verlassen müssen, sagt der Journalist.

"In vielen Regionen ist es natürlich Gang und Gäbe, dass die Redaktionen geschützt werden, sei es von privaten Sicherheitsdiensten oder von der Polizei“
Christian​ Mihr, Reporter ohne Grenzen