Schweden steht für eine offene und gerechte Gesellschaft. Das könnte sich am Sonntag (09.09.) ändern. Dann sind Wahlen und viele Schweden könnten den Schwedendemokraten ihre Stimme geben. Die Partei konnte sich erfolgreich von ihrer braunen Vergangenheit distanzieren, sagt Carsten Schmiester, unser Korrespondent für Schweden.

Laut Umfragen könnten die Schwedendemokraten ein Viertel der Stimmen holen, wenn die Schweden am Sonntag (09.09.2018) einen neuen Reichstag wählen. "Die Partei setzt voll auf Fremdenfeindlichkeit", sagt unser Korrespondent Carsten Schmiester. Die Partei habe nur ein Thema, das sei die Einwanderung.

Schwedendemokraten könnten viele Stimmen holen

Die Partei war in den 1980er-Jahren aus dem rechtsextremen politischen Lager entstanden. Danach setzten sich die Schwedendemokraten immer stärker gegen die Neonazis ab. Dafür sorgte vor allem der aktuelle Parteichef Jimmie Akesson. Durch ihn konnte die Partei ihr rechtsextremes Image ablegen. Und das macht sie für viele Schweden wählbar, auch für eine konservative Mitte.

"Man nimmt diesem smarten Jimmie Akesson ab, dass er sich von der braunen Vergangenheit losgesagt hat."
Carsten Schmiester, ARD-Korrespondent Schweden

Dass in Schweden im Wahlkampf viel über Zuwanderung gesprochen wird, spielt den Schwedendemokraten in die Hände. Laut schwedischer Geheimpolizei mischen sich in die Debatte auch viele Falschmeldungen. Der Dienst warnt vor feindlichen Bots im Netz, die Fake News verbreiten und suggerieren, die öffentliche Ordnung sei in Gefahr. "Das hat die Diskussion ganz schön infiziert", sagt Carsten Schmiester. Die Situation in Schweden sei eigentlich insgesamt gut, so der Journalist. Es gibt Arbeit, die Wirtschaft läuft.

Zu wenig Integrationspolitik

Doch die Politik habe die Integration schleifen lassen. 2015 hatte Schweden rund 160.000 Flüchtende aufgenommen. In Relation zu seinen knapp zehn Millionen Einwohnern nahm Schweden damit mehr Flüchtlinge pro Kopf auf als jedes andere europäische Land. 

​"Die Integration in Schweden hat einfach nicht funktioniert."
Carsten Schmiester, ARD-Korrespondent Schweden

Man habe die Migranten allein gelassen und das räche sich jetzt. Es gab Probleme, die nicht wahrgenommen wurden. "Die Leute haben die Geduld verloren", sagt Carsten Schmiester. Außerdem hätten viele den Eindruck, dass die etablierten Parteien alle eine ganz ähnliche Politik bieten. Auch deshalb könnten viele Schweden extrem wählen: rechts und links.

In Schweden fast immer Minderheitsregierungen

Dass die Schwedendemokraten am Sonntag so viele Stimmen holen, dass sie die Regierung stellen werden, ist unwahrscheinlich. In dem Land sind Minderheitsregierungen eher der Normalfall, so Carsten Schmiester. Bislang haben die etablierten Parteien eine Zusammenarbeit mit den Schwedendemokraten abgelehnt. Doch ob es vielleicht doch zu einer Tolerierung kommt, das muss man abwarten.

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