Am Sonntag sind Europawahlen und in 13 Bundesländern auch Kommunalwahlen. Laternenmasten, Ampeln - die Städte sind voll mit Wahlplakaten. Auch solche von rechten Parteien. Manch einer hängt die ab. Das ist aber nicht rechtens und vor allem ist es undemokratisch.

"Angstraum Stadt, wir haben's satt", "Bürgermut gegen Asylantenflut", Wut im Bauch... lass sie raus": Drei Sprüche auf den Wahlplakaten der rechten Partei Pro Köln, die zurzeit in Köln an Laternenmasten prangen. Meistens richtig schön weit oben. Damit Leute wie Bernhard Schorn nicht so leicht an die Plakate dran kommen. Der Kölner kann die Parolen von Pro Köln nicht ertragen. Und hat darum beschlossen: Sie müssen weg.

Ich hatte Bilder von brennenden Asylbewerberheimen im Kopf. Mir hat das wirklich körperliches Unwohlsein verursacht, diese Plakate in meiner Nachbarschaft zu sehen."
Bernhard Schorn

Demokratie ist eine Herausforderung

Und darum hat er sie abgemacht und zur Polizei gebracht. Dass das nicht rechtens war, ist ihm bewusst. "Das ist ein Straftatbestand oder eine Ordnungswidrigkeit, es war mir aber in dem Falle egal."

Damit die Parteien ihre Wahlplakate aufhängen dürfen, brauchen sie eine Genehmigung von der Stadt. Ist die einmal erteilt, müssen die Plakate hängen bleiben. Der Grund dafür? Die Demokratie, erklärt der Philosoph Matthias Burchardt.

​"Demokratie lebt von der Vielfalt der Meinungen und das ist nichts Lästiges, sondern ein hohes Gut."
Matthias Burchardt, Philosph

Selbst aktiv werden

Und wenn man, wie Bernhard Schorn, mit der Meinung einer Partei nicht einverstanden ist, gebe es andere Wege dagegen zu protestieren als Plakate einfach abzuhängen, sagt der Politikwissenschaftler Stefan Marschall. Wichtig dabei sei, dass man eine Öffentlichkeit für sein Anliegen schafft.

"Sie können demonstrieren, sie können Petitionen schreiben, sie können ein Netzwerk aufzubauen und es gibt Flashmobs."
Stefan Marschall, Politikwissenschaftler

Die extremen Positionen können sogar eine Chance sein, sagt Stefan Marschall. Sie machen deutlich, wofür diese Parteien stehen. Und genau das bringt Menschen zusammen, denen es ähnlich geht, wie Bernhard Schorn.