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Bei der Bundestagswahl 2017 war die AfD eine der großen Gewinnerinnen. Dieses Jahr musste sie in fast allen Bundesländern Stimmverluste hinnehmen. Vor allem die ostdeutschen Bundesländer blieben der Partei aber treu.

Die AfD hat bei der Bundestagswahl Stimmen verloren: 10,3 Prozent waren es am Ende, also mehr als zwei Prozentpunkte weniger als bei der letzten Bundestagswahl. Vor allem in den ostdeutschen Bundesländern fährt die Partei aber nach wie vor Stimmen ein: In Sachsen und Thüringen ist die AfD sogar stärkste Kraft geworden. Auch viele Direktmandate konnte sie gewinnen.

Chrupalla: "Nicht unzufrieden"

Die AfD sei weiterhin eine starke Oppositionskraft und er sei "nicht unzufrieden", sagte Tino Chrupalla, Spitzenkandidat der AfD, im ARD-Morgenmagazin. Die Verluste vor allem in den westdeutschen Bundesländern müsse man jetzt genau analysieren. Im Westen lag die AfD überall unter zehn Prozent.

"Wir sind weiterhin eine starke Opposition."
Tino Chrupalla, Spitzenkandidat der AfD, im ARD-Morgenmagazin

Man dürfe sich das Ergebnis nicht schönreden, sagt dagegen Parteichef Jörg Meuthen. Er klagt darüber, dass die AfD es nicht geschafft habe, der schwachen Union Stimmen abzuluchsen.

Unterschiedliche Deutungen

Die AfD ist sich mit der Analyse des Wahlergebnisses tatsächlich nicht einig geworden, sagt Nadine Lindner aus dem Deutschlandradio-Hauptstadtstudio. Die Meinungsverschiedenheiten seien bei der "hochinteressanten Pressekonferenz" am Montag (27.09.2021) deutlich geworden.

"Die Vertreter der AfD haben sich auf offener Bühne gestritten. So etwas habe ich wirklich selten erlebt."
Nadine Lindner, Deutschlandradio Berlin

Normalerweise würden die Parteien versuchen, zumindest eine gemeinsame Sprachregelung für die Bewertung eines – auch schlechten – Wahlergebnisses zu finden. Selbst an dieser Minimalanforderung seien Jörg Meuthen, Alice Weidel und Tino Chrupalla gestern gescheitert.

Für die AfD sei das Wahlergebnis noch "gerade so gut genug" gewesen, sagt Nadine Lindner "Solange wir zweistellig sind, ist die Welt quasi in Ordnung", habe sie aus der Partei heraus immer gehört. Die Zehn-Prozent-Marke sei sozusagen eine Art "Panik-Klippe" gewesen. Über der liege die AfD jetzt noch knapp darüber. Die Partei habe zwar ihre Stammwählerschaft erreicht, die sie sich aufgebaut hat. Sie habe aber eben nicht wachsen können, analysiert unsere Korrespondentin.

Stimmverlust an kleinere Parteien?

Laut Alice Weidel liegt das Ergebnis der AfD vor allem daran, dass Stimmen an kleinere Parteien wie die Freien Wähler oder die Basis verloren gegangen seien. Offizielle Zahlen zu diesen Wählerwanderungen bei den kleineren Parteien gibt es aber nicht, sagt Nadine Lindner. Dazu seien die Parteien einfach zu klein. Die Basis etwa hat bei der Bundestagswahl 1,35 Prozent der Stimmen erreicht. Alice Weidel habe sozusagen indirekt Besitzansprüche an Teilen dieser Prozentpunkte angemeldet, so unsere Korrespondentin.

"Ich musste ein bisschen schmunzeln, weil Alice Weidel das quasi so dargestellt hatte, als würden diese Prozente, die ihnen die Basis jetzt abgeluchst hat, der AfD quasi gehören."
Nadine Lindner, Deutschlandradio Berlin

Vor allem Alice Weidel habe auf den Corona- und impfskeptischen Kurs der AfD gesetzt – und dieser sei nicht aufgegangen, analysiert Nadine Lindner. Dies hätten ihr "ein bisschen verkürzt und verknappt" auch AfD-Mitglieder am Wahlabend bestätigt: "Wissen Sie, die Leute, die uns wählen, die haben was gegen Ausländer. Aber halt nicht unbedingt gegen die Impfung."

Wie sich die Partei beim Corona-Thema in Zukunft positioniert, sei daher ein wichtiges Thema für die AfD, glaubt unsere Korrespondentin. Außerdem könnte es sein, dass mehr Ostdeutsche in den Bundesvorstand der AfD gewählt werden. Momentan sei Tino Chrupalla tatsächlich der einzige gebürtige Ostdeutsche dort.