Verhörmethoden

CIA suchte nach "Wahrheitsserum"

Der US-Geheimdienst CIA hat nach den Anschlägen vom 11. September 2001 nach Möglichkeiten gesucht, inhaftierten Terrorverdächtigen mit einem "Wahrheitsserum" Informationen zu entlocken. Mark Benecke ist Kriminalbiologe und Forensiker und erklärt uns, wie das funktionieren soll.

Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 versuchte der US-Geheimdienst mit allen Mitteln, Gefangenen Terrorverdächtigen Informationen über die Organisation Al-Kaida, aber auch über mögliche zukünftige Anschlagspläne zu entlocken. Foltermethoden wie "Waterboarding", bei dem Ertränken simuliert wird, zählten zu diesen Mitteln. Und es wurde auch über den Einsatz von Drogen und Medikamenten nachgedacht, um die Gefangenen zum Reden zu bringen.

Drogen und Medikamente für besonders zähe Gefangene

Abu Subaida war einer dieser Gefangenen. Es wurde vermutet, dass der Palästinenser, der in Pakistan von der CIA festgenommen wurde, Al-Kaida-Mitglied ist. Verhörspezialisten, die ihn befragten, sollen frustriert gewesen sein über den Verlauf des Verhörs, weil Subaida trotz brutaler Verhörmethoden eine "bemerkenswerte Widerstandskraft" an den Tag legte. Das geht aus Dokumenten hervor, die am 13. November 2018 veröffentlicht wurden. 

Wie man besonders widerstandsfähige Gefangene zum Sprechen bringen kann, damit haben sich CIA-Ärzte im Rahmen des "Project Medication" unter anderem mit Schlafmitteln und Substanzen beschäftigt, die Symptome einer Psychose hervorrufen können. Sie haben sich besonders für das Medikament Midazolam interessiert, das zu Gedächtnisverlust führen kann.

Nach Mitteln, die Gefangene dazu bringen, die Wahrheit auszuplaudern, wird schon lange gesucht. In den 1950er Jahren führte der US-Geheimdienst zum Beispiel ein Projekt unter dem Namen "Operation Artischocke" durch, später wurde das Projekt in "MK Ultra" umgetauft. Bis in die 1970er Jahre lief dieses Projekt. Der Kriminalbiologe Mark Benecke sagt, es wurde damals mit so ziemlich allem geforscht, was die Menschen damals kannten.

"Man hat so ziemlich mit allem geforscht, was man so kannte."
Mark Benecke, Forensiker und Kriminalbiologe

Beruhigungsmittel zum Beispiel, die – je nach Dosis – Menschen quasi in Watte packen und den Bezug zur Außenwelt verschleiern. Oder MDMA, eine Substanz, die auch in Ecstasypillen enthalten ist. Sie sorgt dafür, dass böse Gesichtsausdrücke nicht mehr so gut wahrgenommen werden, erklärt der Kriminalbiologe. MDMA wird deswegen auch als Kuscheldroge bezeichnet, weil diejenigen, die sie einnehmen, offener und freundlicher werden. 

Einige Zeit hat die CIA nach einem "Wahrheitsserum" forschen lassen. Später wurde dem Geheimdienst die Medikamentenforschung an Gefangenen verboten, nachdem ein Mann Selbstmord beging, dem heimlich LSD verabreicht wurde.

Heute werden Behandlungen von Gefangenen mit Substanzen als Folter eingestuft, sagt Mark Benecke. Und das habe mehrere Gründe: 

  • Sie seien wissenschaftlich nicht wirklich erprobt.
  • Substanzen haben eine sehr individuelle Wirkung.
  • Außerdem hänge es von der Verhörtechnik ab.

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