Wer Lust hat, kann mitmachen: Prognosen für die Zukunft zu allen möglichen Fragen aufstellen und hoffen, dass sie stimmen. Wer besonders gut ist, wird zum Superforecaster - und vielleicht sogar von Ministerien gebucht.

Es gibt viele Zukunftsforscher und andere Spezialisten, die von sich selbst behaupten, zukünftige Entwicklungen mancher Ereignisse (zum Beispiel von Kriegen) vorherzusagen. Wie in jedem Beruf gibt es unter ihnen bessere und schlechtere. Für die besonders guten hat sich ein Begriff etabliert: Superforecaster. Also quasi: Super gute Zukunftsvorhersager.

Einer von ihnen ist Roman Hagelstein. Er hat zusammen im Projekt "Good Judgement" schon öfter bewiesen, dass er Entwicklungen besser als 98 Prozent der anderen Teilnehmer vorhersagen kann.

Auf die Fragen kommt es an

Im Goog-Judgement-Projekt werden Fragen gestellt, die nach einem überschaubaren Zeitraum auch wirklich beantwortet werden können. Dann wird geprüft, ob die Prognosen eingetroffen sind - und so die Qualität der Forecaster ermittelt. Eine geeignete Frage wäre zum Beispiel:

"Ist Assad Ende 2018 noch Präsident Syriens?"

Nicht aber:

"Wie lange wird Assad noch Präsident Syriens sein?"

Auch wird gefragt:

"Schafft es das Buch XY dieses Jahr auf die Bestseller-Liste?"

Die richtige Balance finden zwischen Outside- und Inside-View

Dass Roman zu den Besten gehört, liegt seiner Ansicht nach vor allem an der richtigen Balance zwischen Outside-View und Inside-View.

Roman nennt das Beispiel Ehe: Wird sie geschieden werden - ja oder nein?

Analysiert man die Frage ausschließlich mit dem Inside-View, würden nur Kriterien in Betracht gezogen wie: Wie oft streiten sich die Ehepartner? Sind sie liebevoll zueinander? Haben sie gemeinsame Interessen? Haben sie schon schwierige Zeiten durchgemacht?

Der Outside-View dagegen ist viel einfacher: In Deutschland werden 40 Prozent aller Ehen geschieden, also beträgt die Wahrscheinlich der Scheidung dieser konkreten Ehe ebenfalls 40 Prozent.

Die beste Vorhersage wäre eine Mischung aus Outside-View (Scheidungsrate) und Inside-View (Eigenschaften der Ehepartner individuell und als Paar), sagt Roman.

Die Frage ist, und die ist wichtig für das Treffen passender Vorhersagen: Wie stark werden Inside- und Outside-View gewichtet? Die Superforecaster finden hier eine bessere Balance als die restlichen 98 Prozent der Forecaster.

"Superforecaster kann im Prinzip jeder werden. Was hilft, ist ein gutes Gefühl für Wahrscheinlichkeiten. Und Training."
Roman Hagelstein, Superforecaster

Wie oft die Forecaster richtig liegen, ist schwierig zu ermitteln, weil sie nicht einfach "Ja" oder "Nein" prognostizieren, sondern mit Wahrscheinlichkeiten arbeiten, etwa: Bis 2020 fahren in Europa mit einer Wahrscheinlichkeit von XY Prozent fünf Millionen Elektroautos.

Die (auf einem recht komplizierten Weg) ermittelte Prognosegenauigkeit zeigt, dass die Superforecaster deutlich bessere Prognosen abliefern als andere Methoden. Am wenigsten genau ist der Zufall, dann kommen die Forecaster, dann die Superforecaster.

Roman Hagelstein
© Roman Hagelstein
Roman Hagelstein

Superforecaster werden von Ministerien gebucht

Superforecaster wie Roman Hagelstein werden unter anderem als Trainer von Unternehmen gebucht, zum Beispiel, damit diese ihre eigenen Prognosen verbessern können. Aber auch das Verteidigungsministerium der USA nutzt die Fähigkeiten der guten Prognosen und fragt die Superforecaster. Diese sind einmal in einem Wettbewerb gegen die Analysten der CIA angetreten. Roman: "Wir haben sie um Längen geschlagen."

Eine aktuell laufende Prognose von Roman dreht sich um die Frage, ob Donald Trump bis Ende 2018 noch Präsident der USA sein wird. Sein Tipp: Zu 80 Prozent ja. Auch hier spielt der Outside-View eine große Rolle. Denn in den USA ist es einfach nicht üblich, dass ein Präsident vor Ablauf der Amtszeit ausscheidet.

Bei den restlichen 20 Prozent, die für ein frühes Ende der Präsidentschaft sprechen, hat Roman zum Beispiel laufende Gerichtsverfahren, aber auch die Gesundheit Trumps, eingerechnet.

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