Sind Tennisbälle gelb oder grün? Ein Ehepaar hat sich darüber gestritten. Und dann ist der Streit ins Netz gewandert. Ergebnis: Die einen sagen so, die anderen so. Das Problem: Unsere Farbwahrnehmung ist nie objektiv.

Die Farbe von Tennisbällen - sind sie gelb oder grün? Darüber machen sich gerade viele echt Gedanken im Netz. Und die Antwort ist alles andere als einfach. 

CGP Grey ist irisch-amerikanischer Youtuber und hat vor Kurzem bei einem Thema wirklich auf Granit gebissen: Er hat sich mit seiner Frau richtig in die Haare bekommen - und zwar bei der Frage nach der Farbe von Tennisbällen. Daraufhin hat er eine Umfrage bei Twitter gestartet: Sind sie grün? Oder gelb? Oder ganz was anderes?

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52 Prozent derjenigen, die geantwortet haben, sagen: grün. 42 Prozent sehen eher gelb und 6 Prozent irgendwas anderes. Auch weitere Umfragen im Netz blieben uneindeutig. Und sogar der Tennis-Weltranglistenerste Roger Federer wurde dazu befragt. Er fragte zurück: "Die sind doch gelb, oder?"

"Die visuellen Wahrnehmungen ermöglichen uns ein sicheres Verhalten in unserer Umwelt. Wir laufen zum Beispiel nicht vor Autos, weil wir das Rot einer Ampel erkennen können."
André Karliczek forscht zu Farben und Farbwahrnehmung

Die Beantwortung der Farbe bleibt unklar, weil wir da jetzt in die Tiefen unseres Hirns abtauchen müssen. Und eins sei gleich vorausgeschickt: Farbwahrnehmung ist etwas, was wir im Laufe der Evolution gelernt haben. Es ist aber auch etwas was wir von Geburt an lernen müssen. Das heißt, je nachdem in welcher Umwelt wir aufwachsen, wird unsere Farbwahrnehmung auf andere Weise geschult.

Farbwahrnehmung muss gelernt werden - und wird beeinflusst durch Kultur und Umwelt

Farben sind zunächst einmal einfach nur Licht. Das Licht trifft auf die Sehpigmente in unserem Auge, genauer in unserer Retina, also Netzhaut. Dort werden die Lichtinformationen verarbeitet und bestimmten Empfindungen zugeordnet. Es gibt dort nicht Rezeptoren für zum Beispiel rot, gelb oder grün, sondern die Rezeptoren werden vom Licht gereizt und dadurch entsteht ein Reizmuster. Dieses Muster wird zum Gehirn weitergeleitet. Und dort muss es erst noch interpretiert werden, damit wir eine Farbe erkennen. Je nachdem, wo und wie unser Hirn Farbwahrnehmung gelernt hat, fällt diese Interpretation dann auch ein bisschen anders aus.

Die große Schwierigkeit besteht nun darin, die unterschiedliche Farbwahrnehmung messbar zu machen. Bei einem Experiment in den sechziger Jahren haben Anthropologen zum Beispiel Naturvölker besucht und ihnen ein standardisiertes Farbspektrum gezeigt. Sie sollten Farbgruppen unterscheiden. Das Ergebnis: Die Menschen zogen ganz andere Grenzen zwischen zwei Farben, als wir es zum Beispiel machen.

"Das zeigt eben, dass es kulturelle, auch geografisch bedingt, durch die Umwelt geprägte Besonderheiten der Farbwahrnehmung gibt."
André Karliczek forscht zu Farben und Farbwahrnehmung

Die Untersuchung von unterschiedlicher Farbwahrnehmung ist schwierig, denn wer sollte es von außen objektiv bewerten? Dass es Unterschiede gibt, zeigt sich aber immer mal wieder an kleinen Unregelmäßigkeiten und Streitfällen - so wie vor einigen Jahren das Foto eines Kleides und so wie jetzt eben auch die Frage zu den Tennisbällen. Die erfreuliche Nachricht für uns alle: Eigentlich ist es keinen Streit wert, denn letztlich gibt es kein richtig und falsch, sondern nur eine unterschiedliche Wahrnehmung.