Hitze und Dürre als Folgen der Klimakrise bedeuten Stress für die Wälder. Reine Kiefern- oder Fichtenwälder überleben das nicht. Um den Wald krisenfähig zu machen, muss er umgebaut werden – und zwar schnell, sagt Waldexperte Peter Spathelf.

Für den Wald der Zukunft sollten Baumarten gepflanzt werden, die mit Hitze und Trockenheit gut zurechtkommen. Aber ebenso heimische Arten, die bislang nicht im Fokus stehen, seien wichtig für einen klimaresilienten Wald, so Peter Spathelf. Er lehrt an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde im Fachbereich Wald und Umwelt.

Zu diesen heimischen Bäumen zählt der Waldexperte verschiedene Linden- oder Ahornarten, ebenso die Elsbeere oder auch manche Nadelbaumarten wie die Weißtanne.

"Für den Wald der Zukunft sollten wir uns durchaus auch auf die heimische Baumartenvielfalt konzentrieren – und zusätzlich auf Baumarten aus Gebieten zugreifen, die bereits höhere Temperaturen aufweisen."
Peter Spathelf, Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde, Fachbereich Wald und Umwelt

Neben diesen heimischen Arten können für den Waldumbau auch Bäume genutzt werden, die hohe Temperaturen gewohnt sind und mit Trockenstress umgehen können, wie es Peter Spathelf ausdrückt. Dazu gehören zum Beispiel die Stein- oder die Zerreiche. Mit solchen Baumarten beschäftigt sich Vera Holland. In unserem Hörsaal "Neue Bäume braucht das Land" spricht die Biologin über ihre Forschung.

Wichtig ist die Kombination von Baumarten

Entscheidend für Peter Spathelf ist auch, dass Mischwälder entstehen und nicht einzelne Arten großflächig angebaut werden, sondern eine Vielfalt geschaffen wird.

"Das Zauberwort ist Mischwald: Wir dürfen nicht wieder die alten Fehler machen und Baumarten großflächig pflanzen."
Peter Spathelf, Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde, Fachbereich Wald und Umwelt

Bei einem nachhaltigen Mischwald werden Bäume kombiniert, die unterschiedlich "funktionieren". Das heißt, in einem Waldgebiet werden Tief- mit Flachwurzler gemischt oder Licht- mit Schattenbaumarten.

Der nötige Waldumbau laufe schon seit 30 bis 40 Jahren, so Peter Spathelf. Anfang der 1980er Jahre war die Öffentlichkeit alarmiert wegen des Sauren Regens und der Schäden an Waldbäumen. Danach seien zum Beispiel manche reine Fichtenwälder umgebaut worden, indem Buchen oder auch Weißtannen zwischen alte Fichten gepflanzt wurden.

"Der Waldumbau läuft, aber nicht schnell genug."
Peter Spathelf, Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde, Fachbereich Wald und Umwelt

Zwischen 2010 und 2017 wurden in Deutschland etwa 20.000 Hektar Reinbestände umgebaut, so Peter Spathelf. Diese Flächen bestanden aus nur einer Baumart, vor allem Fichte oder Kiefer. Um den Wald aber tatsächlich für den Klimawandel zu wappnen, müssten Waldflächen ab 100.00 Hektar umgebaut werden.

"Wir müssen beim Waldumbau deutlich Gas geben, um die Mischwälder, die resilienteren Wälder, jetzt zu entwickeln", sagt Peter Spathelf.

Brandenburg, Treuenbrietzen: Kiefern wachsen in Monokultur in einem Waldstück bei Treuenbrietzen.
© dpa
Wälder, die aus nur einer Baumart bestehen, sind nicht resilient. Zum Beispiel reine Kiefernwälder. Mischwälder können besser auf Strapazen wie Hitze und Dürre reagieren.

Die Geschwindigkeit kann zum Beispiel bei den Landeswaldforstbetrieben hochgesetzt werden. "Die haben das in ihren Richtlinien schon drin", sagt der Waldexperte. Hier gehe es um die Umsetzung auf breiter Fläche.

50 Prozent des Waldes in Deutschland sind aber in Privatbesitz. Dazu gehören Wälder mit einer Fläche von 400 oder auch über tausend Hektar Wald. Diese Eigentümer*innen handelten bereits in Richtung Waldumbau.

Auch der Privatwald muss umgebaut werden

Es gibt aber auch den sogenannten Kleinprivatwald. Hierzu gehören Flächen von zwei, fünf oder auch zehn Hektar Wald. Auf diesen Flächen kommt der Umbau nicht voran. "Diesen Kleinprivatwald müssen wir stärker in unsere Überlegungen mit einbeziehen", sagt Peter Spathelf. Zum Beispiel mit gezielten Fördermaßnahmen.

Die Bundesregierung hat ein Programm aufgelegt, das 900 Millionen Euro umfasst und Leistungen für Waldökosysteme fördern und honorieren soll. Dafür wurde ein Online-Portal geschaffen, auf dem sich Waldbesitzer*innen anmelden und Anträge stellen können. Geld gibt es zum Beispiel, wenn Waldbesitzer*innen auf den Einsatz von Pestiziden verzichten. Oder wenn sie eine bestimmte Zahl älterer Bäume stehen lassen, sogenannte Habitat-Bäume.

  • Moderator:  Markus Dichmann
  • Gesprächspartner:  Peter Spathelf, Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde, Fachbereich für Wald und Umwelt