Einfach nur praktisch oder Fetischobjekt für Menschen mit narzisstischer Störung? Am Selfiestick scheiden sich die Geister.

2014 - das war das Jahr des Selfies. Sogar die Oscarverleihung ging nicht mehr ohne. Das Problem - irgendwann geraten selbst Menschen mit sehr langen Armen an die Grenzen ihrer Reichweite. Wahrscheinlich gibt es deswegen Selfiesticks. Und die finden reißenden Absatz, vor allem in Asien, wie uns Fernreisende aus der Redaktion und auch unser Netzautor Konstantin Zurawski versichern. Aber auch in Großbritannien lagen die Selfiesticks besonders häufig unter den Weihnachtsbäumen.

Einbein-Stativ mit Halterung

Kurz zur Technik: Selfiesticks sind eine Art Einbein-Stativ mit Halterung für das Smartphone. Für das Foto muss entweder der Selbstauslöser des Smartphones programmiert werden oder man greift zur High-End-Version des Selfiesticks, die den Job per Bluetooth erledigt. Der Auslöser sitzt dann am Griff.

So weit so praktisch - aber natürlich kommt keine technische Neuerung rund ums Smartphone heute mehr ohne tiefenpsychologische Analyse aus. Und so konnten die ersten Wortspiele vom Narciss-Stick nicht lange auf sich warten lassen. Grundsätzlich ist es ein wenig seltsam, wenn Hobbyfotografen ihr Smartphone, dessen Kamerafunktion eigentlich für den schnellen Schnappschuss für zwischendurch gedacht war, zum High-Tech-Gerät pimpen. Spontan ist dann am Selfie nichts mehr- die Aufnahme wird generalstabsmäßig geplant. Selbstporträt auf Vorsatz - das sei Selbstverliebtheit pur - zumindest aber übertriebene Eitelkeit, schreibt Haley Goldberg in der NY Post.

Andere Stimmen sehen die Sache nüchterner. Zum Beispiel Chris Plante bei The Verge. Seine Haltung: Der Selfiestick ist einfach praktisch. Selbst Familien können jetzt mit dem Smartphone gute Fotos schießen. Kurz: Pragmatismus statt Narzissmus.