Bevor ein neues Medikament entwickelt wird, wird auch über seine Marktchancen nachgedacht. Also darüber, wie viele Menschen denn die neue Pille überhaupt nehmen könnten, ob es schon ein anderes Medikament gibt, das denselben Zweck erfüllt und auch, ob sich die Mixtur mit den vorhandenen Maschinen produzieren lässt.

Ärzte können heute aus über 23.000 verschiedenen Medikamenten wählen. So viele stehen auf der "Roten Liste" der Arzneimittel. Das sind aber nicht alles unterschiedliche Medikamente, manche Medikamente zum Beispiel beinhalten den gleichen Wirkstoff, aber in unterschiedlicher Menge oder Zusammensetzung. Die Zahl der Wirkstoffe schätzt man daher auf ungefähr ein Drittel der Medikamente, also zwischen 7000 und 8000. Im Schnitt gibt es damit also pro Wirkstoff drei verschiedene Medizinpräparate.

Doch wie jeder andere Markt, verändert sich auch der pharmazeutische Markt ständig. Die Produktion älterer Medikamente wird eingestellt, neue werden entwickelt und auf den Markt gebracht. Das liegt unter anderem daran, dass immer weiter geforscht wird. Die Entwicklung und Verbreitung von Viren wird immer besser entschlüsselt. Statt zum Beispiel die Symptome einer Erkältung zu lindern, lässt sich vielleicht direkt beim Virus ansetzen, sodass es sich gar nicht erst im Körper ausbreiten kann. Dann ändert sich beispielsweise die Zielstruktur des Medikamentes von Symptome lindern zu Virusverbreitung verhindern.

Nicht alles kommt auf den Markt

Um das Virus direkt angreifen zu können, muss ein Wirkstoff gefunden werden, der genau dort ansetzt, wo die Forscher einen Wirkmechanismus vermuten und behindern wollen. Der wird dann daraufhin überprüft, ob er zum einen diese Anforderungen erfüllt, zum anderen aber auch, ob und welche Nebenwirkungen zum Beispiel zu erwarten sind. Oder in welcher Form er am besten wirkt - also eher als Tablette oder in flüssiger Form, vielleicht sogar als Injektion?

Danach folgen jede Menge Tests: an Zellen, Geweben, Mäusen oder Ratten und schließlich in klinischen Tests auch am Menschen. Doch trotz ständiger Fortschritte in der Forschung, was am Ende tatsächlich als Medikament auf den Markt kommt, das entscheidet die Industrie. Denn die muss die Kosten der Entwicklung tragen und das Risiko, dass ein Medikament trotz teurer Entwicklung am Ende doch nicht zugelassen wird.