Wie äußert sich unser Computerspielverhalten in unserem Kopf? Um das herauszufinden, macht die Uni Duisburg-Essen eine Studie und sucht dafür Probanden, die entweder viel oder gar nicht zocken – und die bereit sind, sich dabei in ihren Kopf schauen zu lassen. Wir haben mit dem Studienleiter gesprochen.

Die Universität Duisburg-Essen sucht Frauen und Männer zwischen 18 und 35 Jahren, die mindestens 14 Mal in der Woche bei MOBA-Games ("Multiplayer Online Battle Arena") Schlachten schlagen – oder die überhaupt nicht spielen. Die Studie wird mithilfe der funktionellen Magnetresonanztomographie (MRT) am Erwin L. Hahn Institut in Essen durchgeführt. Für die dreistündige Untersuchung bekommen die Probanden eine Aufwandsentschädigung von 40 Euro.

Aufmerksamkeit, Handlungskontrolle, Arbeitsgedächtnis

Die Studie möchte die Effekte des Computerspielens auf unsere Aufmerksamkeit, unsere Handlungskontrolle und unser Arbeitsgedächtnis untersuchen. Das Arbeitsgedächtnis ist so eine Art Zwischenspeicher, mit dem wir uns etwa auch Telefonnummern merken. Leiter der Studie ist der Kognitionspsychologe Magnus Liebherr.

"Wir wollen mehr über die Effekte des Spielens von Videogames auf unsere kognitiven Fähigkeiten herausfinden."
Magnus Liebherr, Kognitionspsychologe an der Universität Duisburg-Essen

Um das herauszufinden, sollen die Gehirne von Spielern und Nicht-Spielern verglichen werden. Von diesen werden als Daten auch Alter und Freizeitgestaltung erhoben, weil diese einen Einfluss haben könnten, erklärt Liebherr. Es gehe darum, die Mechanismen zu verstehen, die dafür sorgen, dass es – möglicherweise – Unterschiede gibt, was im Gehirn von Spielern und Nicht-Spielern passiert.

Aufgaben lösen unter dem MRT

Die Testpersonen werden ins MRT geschoben und sollen dort dann (aus den drei Bereichen Aufmerksamkeit, Handlungskontrolle und Arbeitsgedächtnis) computerbasierte allgemeine Aufgaben lösen. Sie werden zum Beispiel visuellen oder anderen Reize ausgesetzt, die sie ablenken (könnten) und auf die sie reagieren müssen.

Die Wissenschaftler starten zwar mit gewissen Thesen in die Studie, verrät Liebherr. Sie wollen die Probandinnen und Probanden aber in keiner Weise in irgendeine Richtung beeinflussen. Deshalb könne er die Arbeitsthesen noch nicht öffentlich machen.

Bisher sehr kontroverse Meinungen

Ganz allgemein gebe es in bisherigen Studien sehr kontroverse Meinungen: Die einen gingen davon aus, dass das Spielen von Games eher schädlich ist. Andere würden über positive Effekte berichten. Liebherr und sein Team möchten deshalb möglichst neutral und objektiv an die Untersuchung herangehen. Sie seien selbst sehr neugierig, in welche Richtung die Ergebnisse am Ende gehen.

"Wir sind sehr gespannt, was bei der Studie am Ende herauskommt."
Magnus Liebherr, Kognitionspsychologe an der Universität Duisburg-Essen

Zeitgleich und ergänzend zur Studie mit den Probandinnen und Probanden führt die Uni Duisburg-Essen übrigens gerade auch eine Online-Umfrage durch: Was, wann und wie viel wird in Deutschland gespielt? Wer ist überhaupt ein Gamer und was für Fähigkeiten braucht es dazu? Alle, die gerne spielen, können bei dieser Befragung mitmachen.