In der Spiele-Industrie ist sowieso schon alles digital, deswegen ist Homeoffice erstmal kein Problem. Nur: Für manche Anwendungen werden Hochleistungsrechner gebraucht. Und wie wird garantiert, dass die digitale, millionenschwere Arbeit ausreichend geschützt ist?

Es wird gerade mehr gespielt als früher. Nach Angaben eines Internetanbieters in den USA ist der durch Online-Games verursachte Traffic um 75 Prozent gestiegen, der Traffic durch das Streamen von Serien im Vergleich dazu gerade mal um 12 Prozent. Die Geschäfte in der Computer- und Videospielbranche laufen also gerade gut.

Was passiert nach der Krise?

Doch die positive Entwicklung könnte zu optimistisch wirken: Aktuell sind die meisten Studios geschlossen und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten vom Homeoffice aus: Projektmanagement, Programmierung, Leveldesign, Storywriting, Soundtrack – das alles klappt vom heimischen Sofa oder Schreibtisch aus recht gut, sagt Spieledesignerin und Deutschlandfunk-Nova-Games-Expertin Jana Reinhard.

Manchmal reiche der eigene Laptop allerdings nicht aus, weil Hochleistungsrechner benötigt werden, etwa bei bestimmten Virtual-Reality-Anwendungen.

"In der Digitalbranche kannst du eigentlich fast alles von zuhause aus machen. Krass wird es, wenn du einen Hochleistungsrechner brauchst, um etwa hochaufgelöste Texturen zu rendern oder mit VR zu arbeiten."
Jana Reinhard, Deutschlandfunk-Nova-Games-Expertin

Das Hauptproblem im Homeoffice sei aber ein ganz anderes, vor allem bei richtig großen Spielen, bei denen schon mal ein paar hundert Leute beteiligt sind: Alle diese Menschen müssten dann auf einen Server zugreifen und dort alles zusammenführen. Das erschwert die Arbeit sehr.

Dazu kommen noch Sicherheitsbedenken. Externe Geldgeber oder Förderer wollen Sicherheit. Wenn aber dauerhaft jeder von zu Hause arbeitet, kann die Datensicherung ein Problem werden. Das Spiel soll ja in der Entwicklungsphase nicht in falsche Hände geraten. Im Büro ist das besser kontrollierbar.

"Wenn jemand vom Küchentisch aus Zugriff hat auf den Code eines Zig-Millionen-Spiels, könnte es ja sein, das jemand auf die Idee kommt, selbst damit Geld zu machen."
Sebastian Sonntag, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Auch die "Developer Kits" könnten langfristig ein Problem werden, das sind spezielle Spielekonsolen, mit denen neue Spiele getestet werden. Eigentlich müssen die im Büro im Safe aufbewahrt werden, wenn sie nicht benutzt werden.

Qualität der neuen Spiele könnte leiden

So krass wie die Film- oder Serienproduktion wird die Gamesbranche wahrscheinlich nicht unter der Corona-Krise leiden. Sie wird aber wahrscheinlich einen Einfluss auf die Qualität der Spiele haben. Die Frage sei, wie schnell es die Studios und deren Mitarbeiter schaffen, das System umzustellen. Es fresse Zeit, sich in diese neuen Abläufe und Anforderungen einzuarbeiten, sagt Jana Reinhard.

Gerade bei großen Produktionen sind es am Ende kleine Details, die darüber entscheiden, ob ein Game richtig gut wird oder eben nur gut. Dass sich große Publisher entscheiden, ein Spiel später auf den Markt zu bringen, ist also durchaus möglich.

Kleine Studios, die Indie-Games machen, haben das Problem mit hunderten Programmierern für ein Spiel zwar nicht. Sie leiden aber besonders unter dem Ausfall von Veranstaltungen rund um Games. Sie haben häufig nur wenig Geld für Marketing, deshalb sind für sie Spielemessen besonders wichtig. Die Angst, die Gamescom in Köln könnte wegen der Corona-Krise ausfallen, geht bereits um.