Was können wir von Lebensweisheiten erwarten? Passen die immer? Deutschlandfunk-Nova-Reporter Stephan Beuting hat sich einige von Marie Kondo und Beyoncé angeschaut.

Die Aufräumexpertin Marie Kondo liebt es, Ordnung zu schaffen und Hunderttausende lieben ihre Show und ihre Tipps. Ihr Prinzip lässt sich auf einen Satz reduzieren: "Nimm etwas in die Hand und schau, ob es dir Freude bringt. Wenn nicht: Weg damit!"

Weil das so klar und einfach klingt, gehört Marie Kondo laut Time-Magazin zu den 100 einflussreichsten Menschen auf dem Planeten. Deswegen lieben fast alle ihre Bücher, handeln nach ihren Maximen und feiern ihre Ratschläge. Philosoph Matthias Burchardt ist aber skeptisch. Man könne Dinge nicht nur dann behalten, wenn sie Spaß machen. 

"Ich finde das fürchterlich, weil es ja das Prinzip der Nutzbarkeit oder der Freude zum Kriterium macht, wie ich mit meinen Dingen umgehe."

Es gebe aber auch Dinge, die unser keine Freude machen, gegenüber denen wir aber trotzdem eine Verpflichtung haben, so der Philosoph. Schlaue Sprüche, wie die von Marie Kondo, hören und lesen wir beinahe täglich. Markus Dörr ist Coach und nutzt solche Sprüche gern auch in seinen Seminaren, denn diese kurzen Sätze könnten auch ein Anker oder ein Mantra für das Leben sein, sagt er. Auch der bekannte Slogan von der Band Ton Steine Scherben ist so ein berühmter Spruch: "Macht kaputt, was euch kaputt macht!" Für Dörr ist das eine Einladung zur Selbstreflexion.

"Was macht mich denn eigentlich kaputt? Wer lässt denn zu, dass mich irgendwas kaputt macht? Also, da könnte ich in die Selbstreflexion gehen."

Das Schwierige bei diesen kurzen Weisheiten ist aber: Wie finde ich heraus, ob sie im Alltag auch helfen? Man müsse erst prüfen, ob so ein Satz uns eine Orientierung im Leben bringt und dann überlegen, ob wir diesen in eine konkrete Situation verwandeln, also anwenden können, sagt Burchardt. 

"Grundsätze dienen ja dazu, meinen Willen an etwas zu binden, was ihm Orientierung gibt. Man muss prüfen, ob dieser Satz legitim ist. Die zweite Prüfung ist dann, zu schauen, wie man daraus eine konkrete Situation macht."
Matthias Burchardt, Philosoph

Auch Beyoncé Knowles hat einen Satz gesagt, den wir im Alltag manchmal gut gebrauchen können: "Dein Selbstwertgefühl definierst du selbst, niemand kann dir sagen, wer du bist." Das macht Mut. Aber Matthias Burchardt kauft ihr den Satz nicht ab. Als internationaler Superstar könne die Sängerin nicht behaupten, sie habe sich ganz allein selbst erschaffen und zu dem gemacht, was sie ist.

"Wer sagt, er habe sich selbst auf die Welt gebracht, der lügt."
Matthias Burchardt, Philosoph

Matthias Burchardt sagt, es sei schwer, heute noch einen verlässlichen Kompass im Leben zu haben. Aber wir hätten leider keine Alternative und wir sollten diese Sprüche darum nicht nur intellektuell beurteilen. Man brauche auch ein Gespür, das einem sagt, was der eignen Lebensperspektive entsprechen könnte und was nicht, so Matthias Burchardt. Also doch wieder Marie Kondo: einen Spruch überprüfen und spüren, ob er Freude auslöst. Wenn nicht, weg damit!

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