Ist ewiges Leben erstrebenswert oder erwarten uns dann Dinge, mit denen wir nie gerechnet hätten und die uns - im wahrsten Sinne des Wortes - unendlich lange quälen würden? Werden wir unseres Lebens beraubt, wenn wir sterben? Oder kommt der Tod nicht eher einer Erlösung gleich? Antworten darauf sucht der Philosoph Martin Booms in seinem Vortrag.

Emilia Marty ist die Hauptfigur in der Oper "Die Sache Makropulos" von Leos Janácek. Emilia ist 42 Jahre alt und bleibt es auch. Und das geht nun schon seit etwa 342 Jahren so. 

Endlich kann sie all ihre Wünsche ausleben und sich das erfüllen, was sie zu normalen Lebzeiten niemals geschafft hätte. Doch der Segen der Unsterblichkeit ist bei ihr zum Fluch geworden. Sind alle Hobbys ausgelebt und die tollsten Männer durchprobiert, dann folgt nichts anderes mehr als ewige Qual. 

Der britische Philosoph Bernard Williams befasste sich unter anderem anhand dieser Oper seinerzeit mit dem Thema Unsterblichkeit. Er kam zu dem Schluss, dass es gut ist, dass wir nicht unsterblich sind. Der Bonner Philosoph Martin Booms greift im Hörsaal-Vortrag dessen Gedanken auf. 

"Man kann sich glücklich schätzen, wenn man die Möglichkeit hat zu sterben."
Bernard Williams, Philosoph (1929-2003)

In seinem Vortrag über die Unsterblichkeit setzt sich Martin Booms eine Stunde lang mit der Frage auseinander, ob der Tod als Wohltat oder als Übel gelten sollte. Dabei bezieht er sich darauf, dass es in mehreren Jahrzehnten medizinisch möglich sein könnte, dass der Todeszeitpunkt noch weiter aufgeschoben wird. 

Martin Booms: Besser sterben als unendlich leben

So spannend wie manch einem von uns die Idee von Unsterblichkeit erscheinen mag - Martin Booms schildert sowohl Fälle aus der Literatur als auch Szenarien der Philosophie, bei denen sich seine Zuhörer am Ende fragen, ob es nicht besser ist zu sterben.

Der Bonner Philosoph Martin Booms ist geschäftsführender Direktor der Akademie für Sozialethik und Öffentliche Kultur (ASK). Parallel dazu forscht und lehrt er an der Steinbeis University in Berlin als Wirtschaftsethiker. Sein Vortrag trägt den Titel "Leben in Unsterblichkeit - Unendlich lange - unendlich langweilig?" und stammt aus der Vorlesungsreihe "Ethik des Sterbens" der Universität Bonn und der ASK im Wintersemester 2016/17.

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