Oh, my dear! Eine Amerikanerin bereitet Tee in der Mikrowelle zu, postet das Ganze auf Tiktok und löst damit fast eine diplomatische Krise zwischen Großbritannien und den USA aus. Grund genug, ein für alle Mal zu klären, wie wir Tee am besten zubereiten.

Die Amerikanerin Michelle zeigt in einem Video, wie sie ihren Tee zubereitet: Sie stellt die Tasse mit Wasser in die Mikrowelle und kippt anschließend eine Mischung aus Instant-Tee, Soft-Drinks, Zucker, Zimt und Nelken hinein. Das entsetzt nicht nur die Tiktok-Gemeinschaft, sondern auch die britische Botschafterin in den USA. Sie postet daraufhin ebenfalls ein Video – und das ruft schließlich den US-Botschafter in Großbritannien auf den Plan, der sich ebenfalls mit einem Zubereitungsvideo abmüht.

Wasser wird in der Mikrowelle nicht gleichmäßig erhitzt

Damit war es aber nicht genug. Auch Forschende der University of Electronic Science & Technology of China schalteten sich ein. In einer Studie zeigten sie, was das Problem mit Tee in der Mikrowelle ist: Das Wasser wird nicht gleichmäßig erhitzt.

"Im Wasserkocher oder im Topf wird das Wasser von unten erhitzt und steigt nach oben. Kaltes Wasser rutscht nach unten und wird ebenfalls erhitzt, so entsteht eine gleichmäßige Erwärmung."
Ilka Knigge, Deutschlandfunk Nova

Das Problem: In der Mikrowelle erhitzt sich das Wasser anders als im Topf oder im Wasserkocher. Hier kommt es nicht zur Konvektion, sagt unsere Reporterin Ilka Knigge.

Im Topf oder Wasserkocher wird das Wasser von unten erhitzt und steigt dann nach oben. Das kalte Wasser rutscht nach unten und wird dort ebenfalls erhitzt und steigt wieder hoch. Effekt: Das Wasser erhitzt sich gleichmäßig.

In der Mikrowelle hingegen existiert überall das elektrische Feld, aber das Wasser wird an der Oberfläche schneller warm, erklärt Ilka Knigge. Das warme Wasser bleibt oben und die Konvektion bleibt aus. Das Ergebnis: eine Tasse mit ungleich warmem Wasser.

Silberumrandung als Hilfsmittel

Bei ungleich erhitztem Wasser hilft es natürlich, umzurühren. Aber das kommt für wahre Tee-Trinkerinnen und -Tee-Trinker nicht infrage. Da ist die Mikrowelle schlicht tabu, wie sich aus zahlreichen Kommentaren ablesen lässt.

Aber das Forschungsteam aus China hat neben Umrühren noch ein weiteres Hilfsmittel für das gleichmäßige Erhitzen des Teewassers in der Mikrowelle. Ein Silberrand soll dafür sorgen, dass sich das elektrische Feld oben reduziert, so dass das Wasser sich gleichmäßig erwärmt.

Die Temperatur ist eine Frage des Geschmacks

Die objektiv richtige Temperatur gibt es eigentlich nicht, sagt Ilka Knigge. Es geht zwar auch darum, dass Keime abgetötet werden, doch hauptsächlich um den Geschmack. Jürgen von den Tea Addicts meint: Am besten die Temperatur so wählen, dass es einem selbst schmeckt.

"Als Faustregel gilt: grüner Tee um die 80 Grad, weißer Tee oder Oolong um die 90 Grad und schwarzer Tee um die 100 Grad."
Jürgen, Tea-Addicts

Jürgen von den Tea-Addicts hat auch noch einen anderen Tipp: Bei Schwarztee machen sich fünf Minuten Ziehzeit gut, denn in den ersten Minuten wird das Tein abgegeben und danach dann die Gerbstoffe im Tee. Die wirken beruhigend auf den Magen-Darm-Trakt – sorgen aber auch für einen bitteren Geschmack.

Bei Grüntee wird besonders heftig um die richtige Temperatur gestritten, sagt Ilka Knigge. Gewisse Geschmacksnuancen könnten durch zu heißes Wasser verloren gehen.

Temperatur ohne Thermometer messen

Wer kein Thermometer zu Hand hat, kann auch einfach abwarten, bis der Tee auf die gewünschte Temperatur abgekühlt ist. Das Problem: Die Angaben schwanken, wann das der Fall ist. Jürgen von den Tea-Addicts sagt: Bei einer Kanne sinkt die Temperatur ungefähr um ein Grad pro Minute. Wer seinen Tee beispielsweise bei 70 Grad trinken will, sollte etwa eine halbe Stunde warten.