Das hat es seit Jahrzehnten nicht gegeben: Ein Junge hat auf Borkum ein
seltenes Seepferdchen mit seinem Kescher aus dem Hafenbecken gefischt. Dabei galten die Tiere im Wattenmeer seit 1930 als ausgestorben. Ob die Seepferdchen in der Nordsee wieder heimisch werden, erklärt Biologe Rainer Borcherding.

Das kurzschnäuzige Seepferdchen ist ein seltenes seiner Art. Es lebt im Atlantischen Ozean und Mittelmeer – und auch wieder im Wattenmeer, so jedenfalls die Vermutung. Und es könnte tatsächlich was dran sein. Seit ein paar Jahren häufen sich die Funde, sagt Rainer Borcherding. Er ist Biologe von der Schutzstation Wattenmeer und hat eine Internetseite ins Leben gerufen, auf der Tierfunde am Nordseestrand gemeldet werden können.

"Es wurde jahrzehntelang kein Seepferdchen im Wattenmeer gesichtet, gefischt oder gemeldet."
Rainer Borcherding, Biologe von der Schutzstation Wattenmeer

Vor fast 100 Jahren ausgestorben

Eigentlich galt das Seepferdchen seit 1930 in deutschen Gewässern als ausgestorben. Im Jahr 1999 gab es dann die erste Meldung über einen Fund im Wattenmeer, sagt der Biologe. Seitdem komme das immer mal wieder vor. Doch jetzt häufen sich die Meldungen: Das sei ein gutes Zeichen, offensichtlich gibt es wieder mehr Funde an deutschen Küsten, sagt er.

"Offensichtlich haben wir wieder mehr Funde von Seepferdchen an unseren Küsten."
Rainer Borcherding, Biologe von der Schutzstation Wattenmeer

Noch ist die Rückkehr der Seepferdchen für die Wissenschaftler rätselhaft, sagt Rainer Borcherding. Die Tiere leben bevorzugt in flachen Meeresgewässern. Nach dem Aussterben großer Seegraswiesen um 1930 hatten die Seepferdchen ihren Lebensraum verloren. Das dachten die Forscher jedenfalls. Ihre Theorie: Das Wattenmeer ist zu sandig und offen für die schutzbedürftigen kleinen Lebewesen, erzählt der Biologe.

Neuer Lebensraum entsteht

An den Hafenmauern würden sich aber wieder vermehrt Tangwälder bilden. Dort könnten die Tiere Schutz finden. Außerdem wurde der japanische Beerentang in der Nordsee angesiedelt – durch den Import von Austern. Dadurch hätten sich Unterwasserwälder gebildet, wo sich das Seepferdchen durchaus wohlfühlen könnte.

"Was Seepferdchen glücklich macht, sind Braunalgen, die unter Wasser bis zu einem Meter hoch werden."
Rainer Borcherding, Biologe von der Schutzstation Wattenmeer

Der Klimawandel begünstige die Wiederansiedlung ebenfalls, so der Biologe. Das Meereswasser erwärme sich zunehmend. Durch die wärmeren Temperaturen würden mehr Seepferdchen den Winter überleben. Dadurch könne die Population wieder wachsen, sagt Rainer Borcherding. Der Biologe ist optimistisch: Das Seepferdchen könnte in Deutschland wieder heimisch werden.