2,8 Millionen Quadratkilometer und 14.000 Tierarten: Das Wedell-Meer kann Schutz gut gebrauchen. Vertreter von 25 Nationen beraten darüber.

Im Weddell-Meer soll eine Meeresschutzzone eingerichtet werden, dafür setzt sich auch die Bundesregierung ein. Im australischen Hobart tagt gerade die Internationale Kommission zur Erhaltung der lebenden Meeresschätze in der Antarktis – abgekürzt CCAMLR. 25 Länder nehmen teil, auch die EU mit acht Mitgliedsstaaten – darunter Deutschland. 

Das Weddell-Meer ist eines der unberührtesten Meeresgebiete. Das Gebiet liegt über 14.000 Kilometer von uns entfernt in der Antarktis und hat eine Fläche von rund 2,8 Millionen Quadratkilometern.

Viele Arten - vergleichbar mit Korallenriffen

Hier leben Blauwale, Buckelwale, Kaiserpinguine, Schwertwale – also Orca – um nur einige der bekannteren Arten zu nennen. Insgesamt sind es etwa 14.000 verschiedene Tierarten. Manche Meeresbiologen vergleichen die Artenvielfalt mit der von tropischen Riffen, auch Stefan Hain vom Alfred Wegener Institut. Er ist für die CCAMLR-Konferenz in Australien. Von den Schwämmen im Weddellmeer ist er richtig begeistert.

"Da gibt es Schwammgemeinschaften, das sind Schwämme, die sind so groß wie ein Mensch. Die bilden richtige Schwammwälder. Die sehen aus wie ein Korallenriff. Es ist eine faszinierende Welt."

Das Weddell-Meer wurde 1823 entdeckt. Es ist eins der unberührtesten Meeresgebiete, weil dort nie kommerzieller Fischfang betrieben wurde. Fischerboote können dort wegen der Eisverhältnisse kaum auf Fischfang gehen. Das ändert sich allerdings gerade – wegen der technischen Entwicklung und wegen des Klimawandels.

"Die Fischereiflotte wird immer moderner. Vor allem im Sommer kann es sein, dass Flächen freigelegt werden, die für die Fischerei attraktiv werden."

Für Forscher hingegen ist das Gebiet wegen seiner relativen Unberührtheit besonders interessant. Auch das Alfred-Wegener Institut forscht selbst in der Antarktis. Es betreibt dort zum Beispiel die Forschungsstation Neumayer III.

Das Schutzgebiet, das die Bundesregierung bei der Konferenz in Australien vorschlägt, wäre rund sechsmal so groß wie Deutschland und damit das größte der Welt. Abgestimmt wird allerdings erst am Ende der Tagung – die Entscheidung muss einstimmig fallen.

"Ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass die Schutzzone eingerichtet wird. Die Frage ist nur wann. Die Fischereinationen möchten keinen Präzedenzfall setzen, der Auswirkungen auf ganz andere Meeresgebiete hat."

Stefan Hain meint, dass es noch dauern wird, bis die Schutzzone im Wedell-Meer wirklich eingerichtet wird. Vor zwei Jahren hatte Deutschland die Schutzzone bereits vorgeschlagen, eingerichtet wurde dann ein Schutzgebiet im antarktischen Rossmeer. Stefan Hain meint, dass die Kommission damit ausreichend beschäftigt war – deshalb jetzt der neue Versuch.

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