Die EU-Kommission hält den Farbstoff Titandioxid nicht mehr für sicher und empfiehlt, ihn – zumindest für Lebensmittel – zu streichen. Die Diskussion um den chemischen Stoff ist groß, nicht nur, weil er in mehr Produkten als Lebensmitteln zu finden ist.

Er lässt Lebensmittel, Kosmetika, Medikamente, Zahnpasta, Papier und auch Wandfarbe weiß strahlen oder bringt sie zum Glänzen: der chemische Zusatzstoff Titandioxid oder auch E171. In ihrer neusten Empfehlung rät die EU-Kommission, den Farbstoff nicht mehr für Lebensmitteln einzusetzen.

Dabei bezieht sich die Europäische Kommission auf einen Bericht der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA). Danach fehlen zwar endgültige Beweise für eine gesundheitsschädliche Wirkung des Farbstoffs. Gleichzeitig kann die EFSA mögliche Krebsrisiken oder einen Einfluss auf das menschliche Erbgut durch Titandioxid nicht ausschließen.

Gesundheitsschädliche Wirkung nicht ausschließbar

Für ihren Bericht hat die EFSA einen Vielzahl an Studien über die Wirkung von Titandioxid analysiert. Viele davon waren Versuche an Tieren, weshalb die Ergebnisse nicht eins zu eins auf den Menschen übertragbar sind.

Grundsätzlich kommt es bei der Bewertung des möglichen Risikos auch darauf an, auf welche Art Menschen mit dem Farbstoff in Kontakt kommen: über Lebensmittel, auf der Haut oder durch Einatmen, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Anne Preger.

Nanopartikel sammeln sich im Körper an

Lebensmittel enthalten teilweise auch kleinste Nanopartikel des Farbstoffs. In Laborversuchen mit Ratten haben diese Nanopartikel zu Entzündungen im Darm geführt, aus denen sich später auch Krebstumore entwickeln können.

Zwar würde der menschliche Körper nur wenige der Nanopartikel aufnehmen, so die Fachleute der Lebensmittelbehörde, diese könnten sich aber im Körper ansammeln. Für Nahrungsmittel hält die Behörde den Zusatzstoff daher nicht mehr für sicher.

"Ich vermute, dass die Empfehlung der EU-Kommission für Verbraucher und für die Lebensmittelindustrie konkrete Folgen haben wird – auch in Deutschland."
Anne Preger, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Frankreich hat E171 deshalb 2020 schon als Inhaltsstoff verboten. Und auch in Deutschland ist ein Verbot wahrscheinlich: Das deutsche Bundesamt für Risikobewertung (BfR) stimmt der Empfehlung der EFSA zu. Vielmehr fordert Bundesernährungsministerin Julia Klöckner einen Zulassungsstopp des Farbstoffs in Lebensmitteln innerhalb der gesamten EU.

Titandioxid - von Mozzarella bis Marshmallows

Vermutlich wird es auch eine gewisse Übergangsphase geben, bis der chemische Stoff gar nicht mehr in der Nahrung zu finden ist, sagt Anne Preger. Die Fachleute betonen auch, dass bis dahin schon gekaufte Lebensmittel nicht weggeschmissen werden müssen.

Hier erfahrt ihr mehr über Titandioxid im Non-Food-Bereich.
"Ob der Farbstoff für unsere Gesundheit gefährlich werden könnte, hängt dann davon ab, welche Art von Kontakt wir damit haben: Essen wir es, schmieren wir es auf unsere Haut, oder atmen wir es ein?"

Wie es in Zukunft mit dem Einsatz von Titandioxid in anderen Produkten aussieht, ist offen. Laut des BfR ist der Farbstoff in Hautpflegeprodukten wie losem Puder, flüssigen Make-up oder Sonnencreme unbedenklich, weil er nicht über die Haut aufgenommen wird.

Das Einatmen von großen Mengen des Titandioxidstaubs wird von der die Europäischen Chemikalienagentur als "vermutlich krebserzeugend" eingestuft. In Pulverform kommt Titandioxid zum Beispiel bei der Herstellung von Wandfarben in Fabriken vor.

Auch Haarsprays, die den Stoff in einer größeren Menge enthalten, sieht der wissenschaftliche Ausschuss der EU als kritisch an, zum Beispiel für Frisörinnen und Frisöre.