Ein kleines Mädchen hat die Hände in die Hüften gestemmt und blickt furchtlos in die Augen eines wütenden Bullen: Das Fearless Girl an der New Yorker Wallstreet. Die Bronzestatue wurde letztes Jahr zum Weltfrauentag aufgestellt und soll darauf aufmerksam machen, dass in den Vorständen der börsennotierten Firmen kaum Frauen sitzen. Wir haben darüber mit Wiebke Ankersen von der Allbright Stiftung gesprochen.

Die gemeinnützige Allbright Stiftung hat mehrere Studien zum Frauenanteil bei deutschen Börsenunternehmen herausgebracht. 

"Die Thomasse und Michaels in den deutschen Vorständen sind seitdem noch ein paar mehr geworden. Zum Glück gibt's auch ein paar Frauen mehr."
Wiebke Ankersen, Allbright Stiftung

Vor einem knappen Jahr kam in einer Untersuchung der Allbright Stiftung heraus, dass die Vorstände von 160 börsennotierten deutschen Unternehmen zu 93 Prozent aus Männern bestehen. Erstaunlich viele von denen heißen Thomas, Michael und Andreas. Und daran hat sich im vergangenen Jahr auch nicht viel geändert.

Externer Inhalt

Hier geht es zu einem externen Inhalt eines Anbieters wie Twitter, Facebook, Instagram o.ä. Wenn Ihr diesen Inhalt ladet, werden personenbezogene Daten an diese Plattform und eventuell weitere Dritte übertragen. Mehr Informationen findet Ihr in unseren Datenschutzbestimmungen.

Immer noch sitzen insgesamt mehr Männer namens Thomas und Michael in deutschen Vorständen als es dort insgesamt Frauen gibt.  Der häufigste Name bei den Vorstandsvorsitzenden ist Thomas. Die Vorstände sind auch 2018 extrem homogen in Bezug auf Alter, Geschlecht und Ausbildung, beschreibt Wiebke Ankersen.

"In den deutschen Vorständen regieren die berühmten drei Ms: Meistens Männer Mitte Fünzig. Sie sind meistens westdeutsch, Wirtschaftswissenschaftler oder Ingenieure. Der Männeranteil liegt bei 92 Prozent."
Wiebke Ankersen, Allbright Stiftung

Vor einem Jahr lag der Männeranteil noch bei 93 Prozent – eine leichte Verbesserung. Es seien ingesamt acht Frauen dazugekommen, aber die Vorstände sind gleichzeitig größer geworden. Die aktuellen Vorstände rekrutieren weiterhin in erster Linie Kopien von sich selbst, sagt Wiebke Ankersen, weil das mehr Reibungslosigkeit in der Zusammenarbeit verspreche. 

Manager haben es gern bequem

Homogene Teams im Top-Management sind weniger anstrengend für die Entscheidungstreffer, erklärt Wiebke Ankersen. Für die Unternehmen jedoch seien homogene Teams riskant. Wenn alle das gleiche Wissen und die gleiche Erfahrung haben, kann das zu einem verengtem Blickwinkel und im schlimmsten Fall in die Krise führen, sagt sie.

"Gemischte Teams arbeiten weniger riskant, profitabler und haben viel mehr Innovationskraft."
Wiebke Ankersen, Allbright Stiftung

Wenn jetzt in einem Jahr acht Frauen in den Vorständen von 160 börsennotierten Unternehmen dazu gekommen sind, verspricht das keinen schnellen Fortschritt in Sachen ausgewogenes Geschlechterverhältnis. Das wäre dann nämlich erst 2055 erreicht.

"Ich bin ziemlich sicher, dass das schneller gehen wird – auch im Interesse der Unternehmen. Sie können sich vor der notwendigen Veränderung nicht mehr drücken können."
Wiebke Ankersen, Allbright Stiftung

Wiebke Ankersen nennt ein positives Beispiel: Gerade hat sich Covestro, als erstes börsennotiertes deutsche Unternehmen das Ziel gesetzt, bis 2022 einen Frauenanteil von 40 Prozent im Vorstand zu haben. Covestro gehörte bis vor kurzem zum Bayer-Konzern und hat im Moment keine einzige Frau im Vorstand. Wenn das umgesetzt wird und dieses Beispiel Schule macht, besteht Hoffnung, dass wir nicht bis 2055 warten müssen.

Externer Inhalt

Hier geht es zu einem externen Inhalt eines Anbieters wie Twitter, Facebook, Instagram o.ä. Wenn Ihr diesen Inhalt ladet, werden personenbezogene Daten an diese Plattform und eventuell weitere Dritte übertragen. Mehr Informationen findet Ihr in unseren Datenschutzbestimmungen.

Mehr zum Thema: