Hollywoodfilme zeigen immer seltener Sex. Gleichzeitig wollen viele Zuschauer weniger Sex und klassische Romanzen sehen. Es verändert sich gerade, wie Filme über Liebe, Intimität und Beziehungen erzählen.

"Und du so? Titten? Cowgirl? Oder eher Presslufthammer?" fragt Allie (Monica Barbaro). "Das wirst du nicht glauben, aber für mich geht es ums Danach" antwortet Owen (Callum Turner) im Film "One Night Only", einer Art Sex-Version von "The Purge": An 364 Tagen im Jahr ist Sex für Singles verboten, in einer einzigen Nacht ist dann aber alles erlaubt. Und in dieser Nacht treffen sich Allie und Owen.

"Von Anfang an waren da für mich zwei Menschen im Zentrum dieses Films, die beide nach etwas Größerem suchen und es nicht finden können. Und mitten in all dem steckt diese bodenständige Liebesgeschichte, die ich sehr mochte."
Callum Turner, spielt Owen in "One Night Only"

Für Callum Turner, Ehemann von Dua Lipa, ging es in dem Film nie um Sex. "One Night Only" ist eine Liebesgeschichte mit sehr wenig Geschlechtsverkehr – und damit kein Einzelfall. Deutschlandfunk-Nova-Filmfrau Anna Wollner ist der Frage nachgegangen, ob Hollywood prüder wird oder einfach nur den Fokus verschiebt.

Der britische Filmdatenanalyst Stephen Follows hat die jeweils 250 erfolgreichsten Hollywoodfilme seit 2000 untersucht. Sein Ergebnis: Sexuelle Inhalte sind um knapp 40 Prozent zurückgegangen – Gewalt, Drogen und Fluchen hingegen nicht.

Weniger Sex bedeutet nicht gleich verklemmt

Die Entwicklungspsychologin Yalda T. Uhls vom Center for Scholars & Storytellers an der University of California in Los Angeles (UCLA) untersucht die Medienvorlieben junger Menschen in der jährlichen Studie "Teens & Screens". Ihr Ergebnis: Junge Zuschauerinnen und Zuschauer wünschen sich weniger Sex, konventionelle Romanzen und erzwungene Dreiecksbeziehungen.

"Es ist nicht so, dass sie sich nicht für Intimität, Romantik und Sex interessieren. Das tun sie. Aber sie interessieren sich nicht für diese künstlichen Darstellungen davon."
Yalda T. Uhls, University of California, Los Angeles

Die Leute wollen Filme über andere Beziehungen sehen, sagt Yalda Uhls – über echte Freundschaften zum Beispiel. Über Beziehungen, die ihrer Lebenswirklichkeit entsprechen.

Orientierung und Lernen über sich selbst

Nicht jede Begegnung zwischen zwei attraktiven Menschen muss im Bett enden. Sexuelle Inhalte finden wir ohnehin jederzeit im Netz, so Uhls.

"Sexuelle Inhalte sind nicht das, was Leute in fiktionalen Geschichten suchen. Sie wollen Geschichten, die ihnen Halt geben, durch die sie etwas über sich selbst lernen und in denen sie sich wiederfinden können."
Yalda T. Uhls, University of California, Los Angeles

"Ich würde nicht das Wort prüde benutzen", sagt Yalda Uhls, die auch Mutter zweier Kinder aus der Gen Z ist. Diese hätten einen ganz anderen Zugang zu Informationen und wüssten sehr viel über Mental Health.

Hollywood und #MeToo

In den letzten Jahren habe sich zudem auch Hollywood selbst sehr verändert. Beispiele sind die #MeToo-Bewegung, Intimitätskoordinator*innen am Set, die dafür sorgen, dass intime Szenen für alle Beteiligten sicher umgesetzt werden – und die Tatsache, dass Schauspielerinnen heute mehr Einfluss darauf haben, wie Sexszenen entstehen – im Vergleich zu früher.

Das zeigt auch Olivia Wildes "The Invite": Vier Menschen treffen sich zum Abendessen, am Ende steht die Frage nach Partnertausch im Raum. Der Film spricht permanent über Sex – zeigt ihn aber nicht.

"Die Leute sprechen vielleicht ganz selbstverständlich über Sex als Konzept und über Sexualität. Aber worüber sie wirklich nicht gerne sprechen, ist, wenn sie keinen Sex haben."
Olivia Wilde, Regisseurin und Hauptdarstellerin von "The Invite"

Regisseurin und Hauptdarstellerin Olivia Wilde sieht das Tabu nicht im Sex selbst, sondern im Umgang damit.

Sex verschwindet also nicht einfach aus dem Kino – es verändert sich "nur", was daran erzählenswert erscheint: weniger idealisierte Körper und konventionelle Bettgeschichten, mehr Unsicherheit, Kommunikation und unterschiedliche Formen von Beziehungen.

Deutschlandfunk-Nova-Filmfrau Anna Wollner findet: Weniger Sex auf der Leinwand ist zwar auffällig, vielleicht aber auch einfach nur gesund.

Shownotes
Weniger Sex im Kino
Wird Hollywood prüder?
vom 14. September 2026
Autorin: 
Anna Wollner, Deutschlandfunk-Nova-Filmfrau