Im Café arbeiten - das gehört für viele dazu. Aber offenbar haben einige vergessen, dass sie auch ab und zu einen Kaffee bestellen müssen, wenn sie ihr Laptop-Lager aufschlagen. Die ersten Cafébetreiber haben jetzt genug. 

Das St. Oberholz in Berlin ist sowas wie die Mutter des Konzepts "Im Café arbeiten". Dort gab es schon vor zwölf Jahren bei der Eröffnung freies WLAN und das Oberholz wollte Leute einladen vorbeizukommen, um zu arbeiten. Das funktioniert bis heute. Der Laden auf zwei Etagen in Berlin Mitte ist meistens voll. Und er ist ein beliebter Treffpunkt der Start-up-Szene. Aber trotzdem ist plötzlich der Umsatz zurückgegangen. Und damit steht das St. Oberholz nicht alleine. Immer öfter erzählen Cafés rund um Co-Working Spaces von ähnlichen Problemen: 

"Vor zwei Jahren ging das los, dass der Laden immer voller wurde, aber der Umsatz immer geringer. Und wir auch gemerkt haben, dass atmosphärisch etwas nicht mehr stimmt."
Ansgar Oberholz, Gründer des Cafés St. Oberholz in Berlin

Die Einstellung der Besucher hat sich geändert. Sie kommen zwar immer noch gerne ins Café, aber sie verstehen offenbar nicht, dass es zum Konzept gehört, ab und zu einen Kaffee oder eine Cola zu bestellen. Diese Erfahrung hat auch Ansgar Oberholz gemacht, der Gründer des St. Oberholz in Berlin. Eine erstaunliche Entwicklung, denn eigentlich sollte es ja klar sein, dass die Betreiber eines Cafés Miete zahlen – und dazu Geld verdienen müssen.  

Im St. Oberholz hat Selbstbedienung in den vergangenen zwölf Jahren zum Konzept gehört. Es gab keine Kellner. Dazu ist der Laden mit rund 250 Plätzen ziemlich groß. Das heißt, es gibt immer einige Leute, die sich einfach so reinschleichen und in eine Ecke setzen. Und dabei bleibt es nicht: Einige Besucher haben angefangen, eigenes Essen mitzubringen und als Ansgar Oberholz einem Cafébesucher erklären musste, warum es nicht in Ordnung ist, dass er im Café seinen mitgebrachten Döner isst, hat er gemerkt, dass sich etwas ändern muss. Auch weil viele Cafés rund um die Co-Working-Spaces ähnliche Erfahrungen machen.  

Das Cfé St. Oberholz
© Imago | Rolf Zöllner
"Was ein beliebter Hack war: Eine Club Mate vom Späti mitbringen und die auf den Tisch zu stellen und zu behaupten, man hätte ja bereits eine Club Mate am Tresen geholt."
Ansgar Oberholz, Gründer des Cafés St. Oberholz in Berlin

Eine mögliche Lösung: Tages- oder Wochenpässe verkaufen, mit denen Besucher ins Café kommen. Genau so handhaben das einige Co-Working-Spaces. Oder ein halb offenes System wie im Wonder Fuel in Köln. Dort könnt ihr euch reinsetzen, arbeiten und Café trinken oder ein Sandwich essen. Oder ihr bringt euch eure Verpflegung selbst mit und kauft einen Tagespass. 

"Wenn Du genug Hornhaut hast, kannst Du immer noch mit einem Espresso ziemlich lange sitzen."
Ansgar Oberholz, Gründer des Cafés St. Oberholz in Berlin

Das alles will Ansgar Oberholz aber nicht. Statt auf Zugangsbeschränkungen setzt er auf mehr Service. Im St. Oberholz kommen jetzt Kellner an die Tische und nehmen die Bestellungen auf. Und das hat offenbar schon Wirkung gezeigt. Ansgar Oberholz hat beobachtete, dass unterm Strich wieder mehr konsumiert wird – selbst wenn es immer noch den ein oder anderen Gast geben sollte, der sich den ganzen Tag an einer Espressotasse festhält.